Osteuropäer ausgebeutet

17.04.2002 10:23 Uhr

Staatsanwaltschaft beantragt sechs Monate Gefängnis für österreichischen Spediteur

Im Prozess um die Ausbeutung osteuropäischer Fahrer wird am Donnerstag das Urteil gegen den österreichischen Transportunternehmer Karl Kralowetz (45) vor einem Gericht in Luxemburg erwartet. Der Spediteur soll mehrere hundert Fahrer zu Dumping-Löhnen beschäftigt und sie zu Verstößen gegen das Güterverkehrsgesetz angestiftet haben. Die Staatsanwaltschaft hat sechs Monate Gefängnis ohne Bewährung beantragt. Die Verteidigung hält Kralowetz für unschuldig. Wegen ähnlicher Vorwürfe muss Kralowetz auch in Deutschland mit einer Anklage rechnen, wie die Staatsanwaltschaft MÜnchen II der dpa sagte. Luxemburgs Justizminister Luc Frieden hat nach Angaben der Luxemburger Staatsanwaltschaft der Auslieferung von Kralowetz nach Deutschland inzwischen zugestimmt. Die Staatsanwaltschaft München II wirft dem 45-Jährigen auch vor, hunderte Osteuropäer mit gefälschten Papieren illegal in das Gebiet der Europäischen Union eingeschleust und beschäftigt zu haben. Die Beweisaufnahme für den Prozess in Luxemburg endete Mitte März. Beamte von Zoll und Kriminalpolizei hatten nach eigenen Angaben Kralowetz' Firma United Cargo Lux (UCL) im luxemburgischen Esch/Alzette kontrolliert und Verstöße gegen das Güterverkehrsgesetz festgestellt. Beispielsweise waren Tachoscheiben entweder gar nicht vorhanden oder manipuliert worden. Viele der Trucker aus Rumänien, Ungarn, Bulgarien und der Slowakei seien, um viel zu verdienen, 26 Stunden und mehr ohne Pause am Steuer gewesen. Bei einem Monatsgehalt von 1000 bis 1125 Euro seien die Fahrer davon ausgegangen, dass Kralowetz - entgegen den Anschuldigungen aus München - Steuern und Sozialabgaben abgeführt habe. Ehemalige Angestellte der Firma UCL sagten als Zeugen in Luxemburg aus, dass die Trucker weder Urlaubs- noch Krankengeld erhalten hätten. Außerdem mussten die Fahrer ihrer Beobachtung nach Lohnabzüge wegen Pannen, nicht selbst verschuldeter Unfälle und dienstlicher Handy-Telefonate hinnehmen. Die Zeugen sagten auch, dass Kralowetz für den Fall von staatlichen Kontrollen Mitarbeiter zu Falschaussagen angehalten habe. Kralowetz bestritt die Anschuldigungen und sprach wiederholt von einer Verschwörung gegen ihn. Er habe Hunderten in ihren Ländern unterbezahlten oder arbeitslosen Fahrern gut bezahlte Arbeit verschafft. Kralowetz, der in mehreren europäischen Ländern tätig war, sitzt seit fast drei Monaten in Untersuchungshaft in Luxemburg. (tw/dpa)

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