Ostdeutsche Landesregierungen gegen 25-Meter-LKW

19.03.2007 09:25 Uhr

Front gegen überlange Laster in vielen ostdeutschen Landesregierungen: Fahrzeuge seien zu schwer für Brücken, zu lang für Kreisverkehre und zu gefährlich bei Unfällen

Suhl/Berlin. Der EuroCombi hat in Ostdeutschland wenig Freunde. Die meisten Landesregierungen sträuben sich dagegen, größere und schwerere Lastzüge auf die Straßen zu schicken. Die bis zu 25,25 Meter langen LKW, die in Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen getestet werden, seien zu schwer für die Brücken, zu lang für Kreisverkehre und zu gefährlich bei Unfällen, heißt es in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin. Außerdem wird befürchtetet, dass mehr Fracht von der Schiene auf die Straßen kommt. Einzig Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern sympathisieren im Osten mit den Riesenlastern - dort sitzen auch Hersteller der 25-Meter-LKW. Mehr als 25 Meter lange und bis zu 60 Tonnen schwer sind die Streitobjekte - und damit gut sechs Meter länger und bis zu 20 Tonnen schwerer als herkömmliche Lastzüge. Die Gegner der überlangen Laster haben mit Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ihren wichtigsten Unterstützer. Er beruft sich vor allem auf eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), nach der deutsche Brücken, Tunnel und Leitplanken nicht für solche Riesen ausgelegt sind. „Auffahrunfälle könnten verheerende Folgen haben“, warnt der Minister. Ältere Autobahnbauwerke und Bundesstraßen müssten bundesweit für geschätzte vier bis acht Milliarden Euro „ertüchtigt“ werden. Seine Skepsis gegenüber den Lastern sei „vertieft“ worden. Tiefensee strebt eine Einigung zwischen Bund und Ländern in der ersten Jahreshälfte an. Das CDU-regierte Thüringen will den „Giganten“ zumindest ein Chance geben und sie testen. Dabei sieht das Land vor allem im Klimaschutz ein Argument für die 25-Meter-Züge. So liege ein konkreter Antrag eines Unternehmens vor, das mit den Riesen Matratzen nach Erfurt bringen wolle. „Mit Gigalinern würden sie die Strecke vier Mal fahren, mit normalen Lastern aber sechs Mal“, sagt Dietmar Müller, Sprecher des Thüringer Verkehrsministers. Pläne für einen Test auf festgelegten Routen lägen bereit. Jetzt müsse es aber eine bundesweite Lösung geben. Nach Berechnungen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) lassen sich Benzinverbrauch und CO2-Ausstoß um bis zu 30 Prozent reduzieren. Auch Mecklenburg-Vorpommern hat zwei Routen in petto, auf denen 25-Meter-Züge getestet werden könnten, berichtet die Sprecherin von Verkehrsminister Otto Ebnet (SPD), Daniela Rekasch. Diese Zuneigung an der Küste und in Thüringen für diese LKW ist nach Ansicht der Allianz pro Schiene durchschaubar: „Es ist auffällig, dass ausgerechnet die Bundesländer Feldversuche planen, in denen auch die Hersteller solcher Fahrzeuge sitzen“, sagt Allianz-Geschäftsführer Dirk Flege. Sowohl in Toddin (Mecklenburg-Vorpommern) als auch Triptis (Thüringen) werden 25-Meter-LKW produziert. Auch Niedersachsen, Württemberg und Nordrhein-Westfalen, wo Tests laufen, seien Hersteller-Standorte. „Es besteht die Gefahr, den Kampf Straße gegen Schiene zu Gunsten der Straße zu beeinflussen“, warnt Tiefensee-Sprecher Richard Schild. Diese Gefahr sieht auch Brandenburgs Verkehrsminister Reinhold Dellmann (SPD): „Wir wollen aber das Gegenteil erreichen: Nämlich mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene bringen.“ Auch Sachsen- Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) sieht derzeit „keine Notwendigkeit für eine flächendeckende Einführung“, sagt sein Sprecher Harald Kreibich. Dabei rollen die 25-Meter-Züge dort schon. Ein Stück der A2 bis Magdeburg gehört zur niedersächsischen Test-Strecke. Emotionslos geht Sachsen mit dem Thema um: Der Freistaat habe sich noch keine abschließende Meinung gebildet, weise aber nachdrücklich auf die hohen Folgekosten hin, die durch 25-Meter-fLKW entstehen könnten, sagte der Sprecher des sächsischen Verkehrsministers Thomas Jurk (SPD), Jörg Puchmüller. Die Studie des BASt spreche da eine klare Sprache. Keine Freunde haben die überlangen Laster auch in der Bundeshauptstadt. Berlins Straßen und Brücken seien nicht für die LKW ausgelegt, stellte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung fest. „Wir lehnen die Laster ab.“ (dpa/tz)

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