Am Mittwoch hat die EU-Kommission darüber entschieden, ob das sektorale Fahrverbot in Tirol ihrer Ansicht nach gegen den EWG-Vertrag verstößt. Dabei ist es gar nicht so wichtig, ob die Kommission Österreich vor den Europäischen Gerichtshof zerrt. Auch der martialische Begriff „Transitkrieg“, den die Verbände angesichts der Blockadepolitik Tirols und möglicher Gegenmaßnahmen aus der Schweiz verwenden, lenkt vom eigentlichen Problem eher ab, als dass er hilfreich ist. Denn das sektorale Fahrverbot ist vielmehr als ein weiteres Glied einer Kette zu sehen, die sich von Mal zu Mal schwerer um das europäische Fuhrgewerbe legt. Und die nächsten Kettenglieder liegen schon bereit: Ob sie nun Mauterhöhung in Österreich und Deutschland heißen, Anlastung externer Kosten für den Schwerlastverkehr in Europa oder Masterplan Güterverkehr und Logistik – all diese Maßnahmen haben vor allem zwei Ziele zum Inhalt. Erstens: den Umweltsünder LKW im Zaum zu halten, und zweitens: mehr Geld in die Staatskasse zu scheffeln. Ganz abgesehen davon, ob die Ziele mit diesen Maßnahmen erreichbar sind: Angesichts der Dynamik, mit der sich die Regierungen in Europa als Schmiede dieser Ketteneisen betätigen, ist schwer vorstellbar, wie sich das lodernde Feuer löschen ließe. Vielleicht lässt es sich eindämmen, aber die Richtung ist klar: Die Kette wird von Jahr zu Jahr schwerer. Und die Fuhrbetriebe ersticken nur dann nicht daran, wenn es ihnen gelingt, Verbündete zu finden. Diese können nur aus der verladenden Wirtschaft stammen. Das wird die zukünftige Herausforderung für Verbände und Transportunternehmen sein: Sie müssen Allianzen mit den Verladern schmieden, um die Last zu tragen. Nur dann haben sie eine Überlebenschance. Michael Cordes Redakteur
Kommentar der Woche: Lastenträger gesucht
VR-Redakteur Michael Cordes analysiert das Thema der Woche