Hamburg. Ende 2013 ist das Ebola-Fieber in Westafrika ausgebrochen. Seitdem breitet sich die Krankheit, die durch Viren ausgelöst wird, weiter aus. Der Seeärztliche Dienst der Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehrswirtschaft (BG Verkehr) hat jetzt ein Merkblatt zur Vorsorge und zu den Krankheitssymptomen herausgebracht: www.bg-verkehr.de/newsletter/2014/nummer-7-2014/aktuell/merkblatt-zum-ebola-virus.
VerkehrsRundschau sprach mit Jörg Hedtmann, Arzt und Präventionsleiter der BG Verkehr.
Sie informieren in einem Merkblatt über das Ebola-Virus. Haben Sie schon von Fällen bei Ihren Mitgliedsunternehmen gehört?
Nein, aus dem Bereich der Verkehrswirtschaft ist uns kein Fall bekannt. Das von Ihnen angesprochene Merkblatt wurde aufgrund von Anfragen von Reedereien und Seeschifffahrtsbetrieben von der BG Verkehr in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis der Küstenländer für Schiffshygiene zusammengestellt. Die dort genannten allgemeinen Empfehlungen gelten natürlich auch für andere Branchen.
Was raten Sie den Mitgliedsunternehmen, die in diesen Gebieten tätig sind?
Wie das Auswärtige Amt raten auch wir, die betroffenen Gebiete derzeit möglichst zu meiden. Medizinisches Equipment muss allerdings dorthin transportiert und infizierte Helfer müssen möglichst schnell ausgeflogen werden können. Bei einem Einsatz ist es deshalb wichtig, alle geeigneten Präventionsmaßnahmen zu befolgen. Viele Vorsichtsmaßnahmen gelten nicht nur für Ebola-Epidemien, erhalten aber angesichts einer tödlichen Bedrohung besonderes Gewicht. Wichtig ist es, Tote und erkennbar erkrankte Menschen und Tiere nicht zu berühren und sich regelmäßig die Hände zu waschen. Auch vom Verzehr von sogenanntem Buschfleisch kann ich nur abraten. Hat man keinen Kontakt mit Erkrankten, braucht man aber weder Mundschutz noch Handschuhe zu tragen.
Ist die global tätige Logistikwirtschaft besonders gefährdet, das Virus zu verbreiten?
Bei Einhaltung der hygienischen Standards halte ich das Risiko für sehr begrenzt. Im Luftverkehr sind besondere Sicherheitsmaßnahmen wie Kontrollen an Flughäfen, Verhaltensempfehlungen und Überwachungsmaßnahmen zeitweise aber gerechtfertigt, denn hier können unerkannt Infizierte innerhalb weniger Stunden über die ganze Welt verteilt werden. Man sollte aber bedenken, dass Ebola weniger ansteckend ist als viele andere Infektionskrankheiten: Man kann sich zum Beispiel nicht über die Luft anstecken, sondern nur, wenn man mit Körperflüssigkeiten von akut an Ebola erkrankten oder verstorbenen Personen in Berührung kommt. Außerdem ist das Virus ziemlich empfindlich gegen Austrocknung oder Desinfektionsmaßnahmen.
Welches sind die größten Gefahren für die Mitarbeiter der Logistikwirtschaft?
Die größte Gefahr ist Sorglosigkeit und Unwissenheit. Unternehmen, die Beschäftigte in die betroffenen Länder entsenden, müssen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unbedingt über die Hygieneregeln und den richtigen Umgang mit infizierten Personen aufklären. Letzteres ist vor allem auf See wichtig, weil infizierte Besatzungsmitglieder oder Passagiere erst auf hoher See erkennbar erkranken können. Wichtig ist auch die rechtzeitige Isolierung der Erkrankten: Ansteckungsgefahr besteht erst, wenn die ersten Krankheitssymptome nach einer Inkubationszeit von zwei bis 21 Tagen auftreten und nicht wie bei der Grippe ab dem ersten Tag der Infektion. Für die meisten Beschäftigten in der Logistikwirtschaft dürfte jedoch die Vermeidung von Kontakt zu Infektionsquellen völlig ausreichend sein.
Wird es demnächst einen Impfstoff geben?
Es befinden sich aktuell Studien mit Impfstoffen im Entwicklungsstadium. Aber es gibt gute Gründe, einen Impfstoff sorgfältig zu prüfen. Deshalb halte ich einen kurzfristigen Einsatz für alle Infektionsgefährdeten für unwahrscheinlich.
Das Gespräch mit Jörg Hedtmann führte Birgit Bauer