Hintergrund Y-Trasse: Drei Fragen an Walter Hirche

20.10.2008 12:46 Uhr
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Niedersachsens Verkehrsminister Walter Hirche. (Foto: ddp)

Niedersachsens Verkehrsminister pocht auf Geld und zügiges Handeln vom Bund

Hannover. Angesichts des rasanten Verkehrszuwachses von den norddeutschen Häfen ins Hinterland drängen Bahn und Politik auf den Bau der Y-Trasse und wollen bestehende Gleise für Containerzüge herrichten. Niedersachsens Verkehrsminister Walter Hirche (FDP) pocht im im Kurz-Interview auf Geld und zügiges Handeln vom Bund. Wie schätzen Sie die Aussichten auf eine Bewältigung der erwarteten Verkehrsströme ein? Hirche: Es müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um den Ausbau der Hinterlandanbindungen endlich in Angriff zu nehmen. Ein zügiger Ausbau der Bahnanbindungen der norddeutschen Häfen ist möglich, wenn der Bund seine Strategie ändert und eine Neubewertung des Bundesverkehrswegeplans durchführt. Es müssen Prioritäten gesetzt und die für Neu- und Ausbaumaßnahmen vorgesehenen Mittel auf wenige wirklich dringende Maßnahmen konzentriert werden. Darüber hinaus brauchen wir kurzfristig ein Sonderprogramm zur Anbindung unserer Seehäfen. Welche Rolle können die Privatbahnen mit ihren Strecken und Bahnhofsanlagen bei der Bewältigung des Güterverkehrs spielen? Leider sind Aus- und Neubauprojekte nur langfristig zu realisieren. Deshalb müssen wir so schnell wie möglich auch die Schienenwege unserer Nichtbundeseigenen Eisenbahnen so ertüchtigen, dass sie einen Teil des Güterverkehrs aufnehmen können. Dieses bietet sich gerade dort an, wo mit Hilfe dieser Strecken bereits heute hoch belastete Eisenbahnknoten umfahren werden können. Eine Ertüchtigung dieser Strecken könnte in zeitlicher Hinsicht sehr viel schneller als Großprojekte realisiert werden und mittel- wie langfristig das DB-Netz sinnvoll ergänzen. Welcher Nutzen kann sich für Niedersachsen aus dem Ausbau der Bahnstrecken ergeben? Eine bessere Anbindung Norddeutschlands an den überregionalen Schienenverkehr ist von erheblicher strukturpolitischer Bedeutung, weil sie die relative Entfernung zu wichtigen Ballungsräumen und Wirtschaftszentren abbaut. Die Erreichbarkeit als Standortkriterium ist außer für die Häfen insbesondere für Unternehmen des Dienstleistungssektors von besonderer Bedeutung. Insofern ist der qualitative Ausbau der Schieneninfrastruktur auch eine wichtige Maßnahme zur Flankierung des Strukturwandels und der Stärkung des Dienstleistungssektors. Hiervon profitieren nicht nur Bremen und Hamburg als große Wirtschaftsstandorte, sondern auch das niedersächsische Umland und die dahinterliegenden Regionen wie zum Beispiel die Weser-Ems-Region, die Heide oder der Unterelbe-Raum. Interview: Michael Evers, dpa

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