Hintergrund: Hamburger Erfolg bei Hapag-Lloyd ist vor allem Klaus-Michael Kühne zu verdanken

13.10.2008 11:23 Uhr
Klaus-Michael Kühne
Klaus-Michael Kühne. (Foto: ddp)
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71-Jähriger war seit dem Frühjahr die treibende Kraft hinter dem Konsortium "Albert Ballin", das nun die Mehrheit an der Traditionsreederei übernimmt

Hamburg. Dass der spannende Krimi um den Hapag-Lloyd- Verkauf letztlich für Hamburg ein gutes Ende genommen hat, ist vor allem einem Mann zu verdanken: dem Transport- und Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne (Kühne+Nagel). Der 71-Jährige war seit dem Frühjahr die treibende Kraft hinter dem Konsortium "Albert Ballin", das nun die Mehrheit an der Hamburger Traditionsreederei übernimmt. Nicht nur den 2000 Hapag-Lloyd-Beschäftigten am Standort Hamburg fällt ein Stein vom Herzen. Sie hatten sich aus ihren gediegenen Büros auf die Straße gewagt und mehrmals prominent in der Innenstadt für ihre "Hapag" demonstriert. Auch der Hamburger Senat fand ungewohnt starke Worte. "In Hamburg ist die Einheit von starkem Staat und erfolgreicher Wirtschaft ein Fels in der Brandung", sagte Finanzsenator Michael Freytag (CDU). Der gebürtige Hamburger Kühne lebt seit mehr als 30 Jahren in der Schweiz unweit des Züricher Sees, wo seit den siebziger Jahren auch die Zentrale seines weltweiten Transport- und Logistikkonzerns angesiedelt ist. Aber er fühlt sich nach wie vor als Deutscher und vor allem als Hamburger. "Sonst hätte ich schon längst die Schweizer Staatsbürgerschaft angenommen", vertraute er dem Magazin "Die Weltwoche" an. Für seine Heimatstadt hat der kinderlose Kühne, dessen Unternehmensanteile später in eine Stiftung übergehen sollen, schon mehrfach tief in die Tasche gegriffen. 30 Millionen Euro war ihm ein Logistik-Lehrstuhl an der TU Hamburg-Harburg wert; mehrere Millionen Euro gab er auch für die Elbphilharmonie. Zum Dank ernannte Hamburg ihn zum Professor ehrenhalber. Als im Frühjahr klar wurde, dass die TUI sich von Hapag-Lloyd trennen würde, war Kühne als erster alarmiert. Gemeinsam mit dem früheren Hamburger Senator Wolfgang Peiner, der als Verwaltungsrat bei Kühne+Nagel auf der Lohnliste steht, setzte der Spediteur alle Hebel in Bewegung, um Hapag-Lloyd als deutsche Reederei zu erhalten. Den möglichen Verkauf an einen asiatischen Konzern nannte er "eine Katastrophe". "Deutschland als führende Exportnation braucht eine eigene Schifffahrt als strategisches Element im Welthandel." Kühne scheute sich nicht, politische Unterstützung von der Bundesregierung zu fordern. Die kam aber nur halbherzig. Die Kanzlerin warf sich nicht, wie von Kühne gewünscht, für den Schifffahrtsstandort Deutschland in die Bresche. Kühne hatte sich schon einmal in die Hamburger Politik eingemischt, als die Hamburger Hafen- und Logistik-AG (HHLA) mehrheitlich an die Deutsche Bahn verkauft werden sollte. Dagegen machte er aus geschäftlichen Gründen Front, weil er Nachteile für sein Unternehmen befürchtete, und drohte gar mit dem Abzug von Containerverkehren aus Hamburg. Bei Hapag-Lloyd ist Kühne+Nagel ebenfalls ein Großkunde und eng mit dem Unternehmen verwoben. Der frühere Hapag-Lloyd-Chef Bernd Wrede ist Kühnes Stellvertreter als Chef des Kühne+Nagel-Verwaltungsrats. Doch nicht nur geschäftliche Überlegungen gaben diesmal den Ausschlag für Kühnes Engagement: "Das ist neben dem kommerziellen Interesse auch eine emotionale Angelegenheit." Deshalb ist er mit privatem Vermögen bei Hapag-Lloyd eingestiegen. (dpa)

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