Hamburg. Heftige Kritik an der Schifffahrtspolitik der Bundesregierung hat der Hamburger Verdi-Landeschef, Wolfgang Rose, geübt. Rose hatte namentlich Bundeswirtschaftsminister Michael Glos ins Visier genommen. Er warf ihm Ignoranz gegenüber den Hapag-Lloyd-Mitarbeitern, die sich leidenschaftlich für den Erhalt des Traditionsunternehmens in Deutschland eingesetzt hatten. Glos habe durch seine Äußerungen in einer besonders kritischen Phase der Verkaufsverhandlungen für jedermann erkennbar werden lassen, dass es ihm egal gewesen sei, „wer Hapag-Lloyd in dieser Welt hat“, erklärte ein sichtlich erregter Rose. Ein solches Verhalten eines Bundesministers dürfe nicht vergessen werden. „Dieser Mann ist nicht an der richtigen Stelle“, setzte Rose unter Beifallsbekundungen der Mitarbeiter hinzu. Ausdrücklich lobte der Verdi-Hamburg-Chef hingegen das Eintreten der Hamburger Politiker, wichtiger Persönlichkeiten der Stadt und der Bürger der Hansestadt für den Verbleib der Reederei in Hamburg. Der Gewerkschaftsfunktionär sprach am Mittwochabend auf einer Feier von Hapag-Lloyd-Mitarbeitern in Hamburg. Mit der Feier sollte ein vorläufiger Schlusspunkt hinter dem monatelangen Verkaufspoker um die Traditionsreederei gesetzt werden, nachdem sich das Hamburger Konsortium „Albert Ballin“ erfolgreich durchsetzen konnte. Zu der Veranstaltung, die unter dem Motto stand „Wir sagen danke“ hatte die Bürgerinitiative „Hapag-Lloyd gehört zu Hamburg“ eingeladen. Rund 200 Beschäftigten folgten der Einladung in das Alsterpavillon. Sichtbares Danke-Zeichen der Mitarbeiter war der zeitgleiche Aufstieg von Dutzenden orangenroten Luftballons mit dem Aufdruck „Hapag-Lloyd gehört zu Hamburg“. Den Hapag-Lloyd-Mitarbeitern bestätigte Rose, dass sie in den zurückliegenden Monaten „Ungeheures“ geleistet hätten. Die Krise habe die Mitarbeiter zusammengeschweißt. Allerdings habe auch die Gewerkschaft Verdi einen Beitrag dazu geleistet, die Interessen der Reedereimitarbeiter zu verteidigen. Er würde sich „freuen“, wenn diese Solidaritätserfahrung den „einen oder anderen Mitarbeiter“ auch dazu bringen könnte, sich für eine Gewerkschaftsmitgliedschaft zu entscheiden. Reederei-Betriebsratschef Uwe Klein stellte ebenfalls das entschlossene Eintreten der Mitarbeiter für den Verbleib in Hamburg durch Wort und Tat heraus. Das erfülle ihn mit großem Stolz. Die Tatsache, dass Angestellte der Traditionsreederei Hapag-Lloyd für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze auf die Straße gehen würden, hätte vor Monaten von dieser eher „konservativen Belegschaft“ kaum jemand für möglich gehalten. Doch am Ende wurde es „von Veranstaltung zu Veranstaltung mehr“, sagte Klein. (eha)
Hapag-Lloyd: Gewerkschaft kritisiert Haltung des Bundes
Verdi-Hamburg-Chef Rose kritisiert Gleichgültigkeit der Bundesregierung: Bundeswirtschaftsminister Glos sitzt nicht an der richtigen Stelle