Hamburg. Der kurzfristig erforderliche Geldbedarf für die Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd fällt offenkundig höher aus als noch vor einigen Tagen vermeldet. Wie das Hamburg-Programm „NDR 90,3“ des Norddeutschen Rundfunks (NDR) am Donnerstag berichtete, benötigt die größte deutsche Containerreederei bis zu 1,75 Milliarden Euro an frischem Kapital. Einen entsprechenden Vorschlag hatte der Konzernvorstand am Mittwoch auf der Gesellschafterversammlung unterbreitet. Der Betrag solle danach sowohl über Bankkredite in Höhe von einer Milliarde Euro sowie nachgeschossenem Kapital der Anteilseigner in Höhe von 750 Millionen Euro aufgebracht werden. Allein auf den Stadtstaat Hamburg, der zum Gesellschafterkreis des Konsortiums Albert Ballin gehört, könnten damit bis zu 170 Millionen Euro zukommen. Der Kapitalbedarf fällt vor allem deshalb so hoch aus, weil das Container-Transportgeschäft weiterhin massiv unter Druck steht. „NDR 90,3“ zufolge summierten sich die Verluste für die Reederei im ersten Halbjahr auf knapp 500 Millionen Euro. Die Reederei versucht deshalb, ihre wirtschaftliche Situation durch das Drehen an verschiedenen Stellschrauben zu verbessern. So läuft bereits seit mehreren Monaten ein Kostensenkungsprogramm, über das weltweit bis zu 500 Millionen Euro eingespart werden sollen. Aktuell nimmt auch die Unternehmensberatung Roland Berger die Konzernstrukturen unter die Lupe, um weitere Einsparmöglichkeiten zu erschließen. Wie andere Großreedereien bemüht sich auch Hapag-Lloyd darum, das Containerraten-Gefüge nachhaltig zu verbessern. „Wir müssen jetzt mit dem Kopf durch die Wand gehen, auch wenn es wehtut, auch auf die Gefahr hin, Kunden zu verlieren“, erklärte dieser Tage der Betriebsratschef Dieter Lübkemann „NDR 90,3“. Klaus-Michael Kühne, der ebenfalls dem Konsortium Albert Ballin als Gesellschafter angehört, brachte vor einigen Tagen Staatshilfen für die in schwerer See verkehrende Großreederei ins Gespräch. Bei der Suche nach weiteren Geldquellen kommt in Medienberichten auch immer wieder die Beteiligung von Hapag-Lloyd am Hamburger Container Terminal Altenwerder (CTA) in Höhe von rund 25 Prozent zur Sprache. Die restlichen Anteile an dem 2002 in Betrieb genommenen, modernsten Containerterminal in Hamburg hält der Hafenlogistiker HHLA. (eha)
Hapag-Lloyd braucht 1,75 Milliarden Euro
Containergeschäft der Hamburger Reederei steht weiter unter Druck