Hamburger Schifffahrts-Gruppe Hansa Treuhand sieht Markterholung in 2010

01.12.2009 15:30 Uhr
Herrmann Ebel
Herrmann Ebel
© Foto: Arndt

Problem für Großcontainerschiffen zeichnen sich ab / Klares Bekenntnis zum „Slow streaming“

Hamburg. Von einer messbaren Erholung der Weltschifffahrtsmärkte im Jahr 2010, zumal in der Containerschifffahrt, geht Hermann Ebel, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Schifffahrts-Gruppe Hansa Treuhand aus Hamburg, aus. Vor allem bei den kleineren Containerschiffen in der Kapazitätsklasse von 1000 bis 4000 TEU dürfte diese Erholung beschleunigt erkennbar sein, sagte Ebel im VerkehrsRundschau-Interview. Ein wichtiger Grund besteht darin, dass sich die Neubaubestellungen der zurückliegenden Jahre auf die großen Containerschiffe von 8000 TEU und mehr konzentriert hätten. Ebel: „Von den Schiffen, die 2010 in den Markt drängen, entfällt gut die Hälfte auf Containerfrachter mit 10.000 TEU und mehr. 2011 sind es dann sogar 75 Prozent.“ Das jedoch werde erhebliche Probleme für dieses Segment und die darin engagierten Unternehmen auslösen, da nur ein kleiner Teil dieser Tonnage – auch bei einer Erholung der Weltwirtschaft – wirklich benötigt werde. Hansa Treuhand, als Schiffsemissionshaus und Reederei aktiv, habe es stets abgelehnt, sich in diesem Segment zu engagieren. Für „erstaunlich“ hält es Ebel, der in der Schifffahrt seit mehr als 30 Jahren tätig ist, welches „Anpassungsvermögen“ der Markt bereits in diesem extremen Krisenjahr gezeigt habe, um die neu in Fahrt kommenden Schiffe aufzunehmen. Ebel: „Im März 2009 waren weltweit Containerschiffe mit einer Stellplatzkapazität von 1,4 Millionen TEU aufgelegt. Im November waren es genauso viel und das, obwohl in der Zwischenzeit zahlreiche Neubauten in Fahrt kamen.“ Verschrotten von Containerschiffen im großen Stil Zu dieser Entwicklung hätten eine Reihe von Faktoren beigetragen. Zu den wichtigsten zählte der Schifffahrtsexperte das offensichtlich erfolgreiche Stornieren von Aufträgen, allen voran bei den Werften in Fernost, das Verschieben von Auslieferterminen, eine langsame Erholung der Weltwirtschaft sowie das Verschrotten von Containerschiffen im großen Stil. Ebel: „Allein eine Reederei wie MSC wird bis Ende diesen Jahres 60 Containerschiffe verschrotten.“ Darüber hinaus lösten sich zahlreiche Bauvorhaben in Luft auf, weil deren Finanzierung nicht zustande gekommen sei. Die Banken seien jedenfalls extrem zurückhaltend bei der Schiffsfinanzierung geworden. Auch das Einsammeln von privatem Anlegerkapital sei mit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Herbst 2008 immer schwieriger geworden. Es sei in der Zwischenzeit praktisch zum Erliegen gekommen. Ebel bestätigte, dass viele Anleger derzeit kein Vertrauen mehr in das Anlageprodukt Schiff hätten. „Slow Steaming“ kann helfen Tonnage zu binden Einen nicht unerheblichen Anteil an der Kapazitätsbindung habe auch das sogenannte „Slow Steaming“, also das „Langsamfahren“ der Schiffe. Der Schifffahrtsexperte: „Der Germanische Lloyd (GL) in Hamburg hat hier schon sehr frühzeitig erklärt, dass das Verringern der Reisegeschwindigkeit helfen kann, Tonnage zu binden. Dieser Philosophie schließen sich immer mehr Linienreedereien an.“ Habe der GL eine Dauer -Reiseschwindigkeit von um die 14 Knoten (gut 28 Km/h) für sinnvoll gehalten, geht die größte Containerreederei der Welt, die Maersk-Gruppe, sogar noch einen Schritt weiter. Ebel: „Die setzen auf ihren langen Fernost-Europa -Routen auf das „Super-Slow-Steaming“ von zwölf Knoten.“ Dieses Langsamfahren, das sich aus Ebels Sicht auch über diese Schiffffahrtskrise hinaus durchsetzen wird habe noch einen weiteren Effekt: Dadurch sinkt der Treibstoffverbrauch erheblich, was für die Reedereien wiederum mit deutlichen Kosteneinsparungen verbunden sei. Ebel: „Ein Frachter, der statt 23 Knoten nur noch 18 Knoten fährt, verbraucht gut die Hälfte weniger Treibstoff.“ Und es gibt noch einen Gewinner: die Umwelt. Denn weniger Verbrauch bedeute auch weniger Schadstoffausstoß. (eha)

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