Hamburg: Planungen für Hafenquerspange stocken

10.09.2008 11:37 Uhr
Hamburg
Auf die Köhlbrandbrücke kommt noch mehr Verkehr zu (Bild: Arndt)
© Foto: Arndt

Stadtentwicklungs-Senatorin Hajduk sieht keine Chance für Nordtrasse / Verkehrswirtschaft spricht von Katastrophe

Hamburg. Hamburg tritt beim Bau einer Hafenquerspange weiter auf der Stelle. Nachdem Hamburgs neue Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt, Anja Hajduk (GAL), noch im Juli vor Unternehmervertretern des Hamburger Speditions- und Transportgewerbes einen Trassenentwurf bis spätestens Ende des Jahres in Aussicht gestellt hatte, rückte sie jetzt von dieser Aussage wieder ab. Vor Journalisten erklärte sie am Dienstag in Hamburg, dass sie bis zum Frühjahr 2009 eine Alternativplanung vorlegen wolle. Diese wird durch die bundeseigene DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und Bau GmbH) erstellt. Die damit bislang befasste städtische Planungsgesellschaft „ReGe“ musste den Planungsauftrag an die DEGES abtreten. Hajduk betonte erneut, dass sie die bislang von der ReGe und der Hafenwirtschaft favorisierte Nordtrasse ablehnt. Diese Streckenführung sei zudem zu teuer. Hajduk setzt auf eine Ertüchtigung des vorhandenen Straßennetzwerkes als sogenannte Nord- und Südachse für den Hafenverkehr. Das erneute Verschieben einer Entscheidung hat in der Hamburger Verkehrswirtschaft für reichlich Verärgerung gesorgt. „Das gesamte Planungsverfahren ist aus meiner Sicht eine Katastrophe“, sagte Norman Zurke, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied beim Unternehmensverband Hafen Hamburg (UVHH), der VerkehrsRundschau. Es sei zudem äußerst ärgerlich und unverständlich, dass die stadteigene ReGe die Planungskompetenz an die DEGES abtreten musste. Zurke: „Die ReGe hat aus unserer Sicht eine gute Arbeit geleistet und einen guten Trassenvorschlag unterbreitet.“ Der UVHH-Spitzenmann erinnerte zudem daran, dass der Hamburger Hafen dringend eine zusätzliche Straßenverbindung bis 2015 benötige. Für das Jahr werde mit einem Containeraufkommen von rund 18 Millionen TEU gerechnet – fast acht Millionen Standardeinheiten mehr als 2007. Auch Hans Stapelfeldt, Vorstandsvorsitzender des Verbandes Straßengüterverkehr und Logistik Hamburg (VSH), zeigte sich über die erneute Verzögerung „irritiert“. „Die Logistikindustrie benötigt Planungssicherheit“, sagte Stapelfeldt. Das „Hü und Hott“, das derzeit vom Hamburger Senat in Sachen Hafen- Verkehrswegeplanung komme, sei äußerst schädlich auch für die Außenwirkung des größten deutschen Universalhafens. Stapelfeldt: „Ganz klar: Wir brauchen im Hafen einen Nordtrasse. Alles andere wäre eine Belastung für den Mittelstand und das Transportgewerbe.“ Damit nicht genug: Durch andere Trassenverläufe begünstige der Hamburger Senat indirekt das Entstehen von Umwegkilometern, in deren Folge es zu einer zusätzlichen Umweltbelastung kommt. Der VSH-Vorsitzende, selbst ein Transportunternehmer in Hamburg, wies darauf hin, dass für die hafeninternen Transportabläufe eine schnelle und kurze Verbindung unerlässlich sei. Stapelfeldt: „Heute werden gut 70 Prozent des Containeraufkommens im westlichen und die verbleibenden 30 Prozent im östlichen Hafenteil umgeschlagen. Mit der Fertigstellung eines weiteren Containerterminals im Mittleren Freihafen rechne ich mit einem Verhältnis 50 zu 50.“ Zwischen den Hafenteilen, die durch den Köhlbrand getrennt werden, besteht ein umfangreicher Austausch von leeren und vollen Containern. Auch die Hamburger Handelskammer ist besorgt über die neuen Planungsbestrebungen: „Wir setzen auf die uns gemachte Zusage, dass es zu keinen Verzögerungen bei der Umsetzung kommt und die Fertigstellung oberste Priorität besitzt“, erklärte Handelskammer-Präses Frank Horch. Ohne eine leistungsstarke Straßeninfrastruktur drohe dem Hafen der Verkehrskollaps. Der ADAC Hansa sieht durch seinen Vorsitzenden Rolf-Peter Rocke erhebliche Bauverzögerungen auf Hamburg und den Wirtschaftsverkehr zukommen. „Dies ist politisches Taktieren, ohne sich dabei von sachlichen Argumenten leiten zu lassen“, erklärte Rocke (eha)

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