GVN: Transportpreise müssen schnell steigen

09.05.2008 16:49 Uhr
Wandt
Adalbert Wandt: Transportgewerbe droht eine große Pleitewelle (Bild: Arndt)
© Foto: Arndt

GVN-Präsident Adalbert Wandt befürchtet Pleitewelle im Transportgewerbe

Hannover. Über weiten Teilen des deutschen Speditions- und Transportgewerbes brauen sich dunkle Wolken zusammen. Der Grund: Die Schere zwischen den Frachterlösen und den Betriebskosten klafft immer stärker auseinander. Für Adalbert Wandt, Präsident des Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN), ist es daher höchste Zeit, um diese Entwicklung zu stoppen. „Die Preise müssen schnellstens rauf, sonst erleben wir eine Pleitewelle nicht gekannten Ausmaßes“, sagte Wandt vor rund 220 Vertretern des Verkehrsgewerbes auf dem GVN-Transport-Unternehmertag in Hannover. Wandt zeigte sich sehr zufrieden über die sehr hohe Teilnahme, was er auch als einen Beleg für die Anspannung in weiten Teilen des mittelständisch strukturierten Verkehrsgewerbes wertete. Die vor einigen Wochen erfolgte Insolvenz der Ricö-Gruppe stellt für ihn nur die Spitze eines durch die breite Öffentlichkeit wahrgenommenen Eisberges dar. „Fast täglich müssen wir Pleiten von niedersächsischen Verkehrsunternehmen beobachten“, sagte Wandt. Die Forderung nach einer deutlichen Transportpreiserhöhung stellte auch Karlheinz Schmidt, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), in den Mittelpunkt seiner verkehrs- und gewerbepolitischen Ausführungen. Die nüchternen Zahlen belegten den Handlungsdruck: Der für die meisten Transportunternehmen zentrale Kostenposten „Diesel“ sei allein zwischen Januar 2007 bis Januar 2008 um mehr als 19 Prozent gestiegen. Schmidt: „Die Transportpreise müssen rauf, und zwar sofort.“ Natürlich würden bei den meisten Auftraggebern Preiserhöhungen eher abgelehnt. Schmidt riet deshalb dazu, sich von jenen Kunden zu trennen, die sich hartnäckig weigerten, Preisanpassungen zu akzeptieren. Der BLG-Spitzenmann empfahl hier den Transportunternehmern „Rigorosität“. Doch nicht nur die Dieselkosten bereiteten den Unternehmern größtes Kopfzerbrechen. Auch die beabsichtigte Erhöhung der deutschen Lkw-Mautsätze werde von vielen Firmenchefs inzwischen als „spürbare Bedrohung“ empfunden. Vor dem Hintergrund der deutlich eingetrübten Marktchancen seien mittlerweile zahlreiche Betriebe dazu übergegangen, ihre Fuhrparks wieder zu verkleinern und damit auch wieder Fahrer zu entlassen, berichtete Schmidt weiter. Der BGL-Topmann sprach sich des Weiteren dafür aus, in der europäischen verkehrs- und umweltpolitischen Diskussion bezüglich des Beitrages des LKW-Transportgewerbes zu einer neuen Gewichtung zu kommen. Aus seiner Sicht gibt es eine zu einseitige Ausrichtung auf die Verschärfung der Abgasnormen. Aus Sicht des BGL sei dieser Ansatz „kontraproduktiv“, „weil es technisch einen Konflikt zwischen immer besseren Abgaswerten auf der einen und Verbrauchswerten auf der anderen Seite gebe. Schmidt: „Seit 15 Jahren hat es keine nennenswerten Fortschritte bei der Senkung der Verbrauchswerte gegeben.“ Das müsse sich jetzt schnell ändern. Schmidt: „Wir brauchen endlich den LKW mit einem Verbrauch von 26 Litern.“ (eha)

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