Frankfurt/Main. Bei den zu Jahresbeginn anstehenden Bahn-Tarifverhandlungen wird es voraussichtlich kein abgestimmtes Vorgehen der drei Gewerkschaften geben. Eine Kooperation mit den anderen Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA sei derzeit nicht absehbar, sagte der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, am Mittwochabend vor Journalisten im Frankfurter Presseclub. Den jüngsten Abschluss der beiden Konkurrenzgewerkschaften mit der Deutschen Bahn AG über einen Tarifvertrag für Zeitarbeiter bei der Bahn-Tochter Service GmbH, der auch Lokführer umfasst, betrachte er als "Kriegserklärung". "Transnet hat kein Recht, Tarifverträge für Lokführer abzuschließen." Die von der "DB-Hausgewerkschaft" Transnet vereinbarten Bedingungen lägen um bis zu 30 Prozent unter denen des ordentlichen Lokomotivführer-Tarifs, sagte Weselsky. Vertreter der Konkurrenzgewerkschaft bestritten diese Aussage. Der GDL-Chef machte klar, dass er bestimmte Verabredungen zu den Tarifverhandlungen wie gleiche Laufzeiten für die zu vereinbarenden Verträge nicht in Frage stelle. Der Gewerkschaftschef zeigte sich zudem kritisch zu Überlegungen der Bahn, für den Regionalverkehr bis zu 30 selbstständige GmbHs auszugründen. Es gehe dem Unternehmen einzig um ein Unterlaufen des bisherigen Tarifniveaus. Dagegen gebe es nur das Mittel einer starken, kampfbereiten Gewerkschaft. Die GDL werde bei jeder einzelnen Tochter höhere Löhne durchsetzen, wenn sie dazu organisatorisch in der Lage sei. Die GDL hatte im Frühjahr nach langem Arbeitskampf einen eigenen Tarifvertrag und eine Lohnsteigerung von 11 Prozent für die Lokführer durchgesetzt. Weselsky ist als Nachfolger von Manfred Schell ein knappes halbes Jahr im Amt. Für die kommende Tarifrunde rechne er nicht mit vergleichbar harten Auseinandersetzungen, zumal sich die Forderungen voraussichtlich nicht im zweistelligen Bereich bewegen würden, sagte der Vorsitzende. Die GDL werde ihren Mitgliedern keine Ratschläge über den Erwerb von Mitarbeiteraktien beim geplanten Börsengang der Bahn geben, sagte Weselsky weiterhin und spielte auf die Werbekampagne des ehemaligen Staatsunternehmens Deutsche Telekom an: "Ich möchte nicht als der Manfred Krug der Deutschen Bahn AG in die Geschichte eingehen." (dpa)
GDL: Kooperation mit anderen Bahn-Gewerkschaften nicht absehbar
Bei den zu Jahresbeginn anstehenden Bahn-Tarifverhandlungen wird es voraussichtlich kein abgestimmtes Vorgehen der drei Gewerkschaften geben