Exportmarkt: Ausfuhren brechen erneut ein

09.06.2009 11:46 Uhr
Außenhandel Export Container
Einfuhren und Exporte sanken im April jeweils um bis zu 29 Prozent
© Foto: ddp/Marcus Brandt

Im Vorjahresvergleich gingen die Exporte im April um knapp 30 Prozent zurück / Einfuhren sinken um 22 Prozent

Wiesbaden. Der stärkste Exporteinbruch in der Geschichte der Bundesrepublik hat der kriselnden deutschen Wirtschaft im April einen weiteren Dämpfer verpasst. Heimische Unternehmen verkauften Waren im Wert von 63,8 Milliarden Euro ins Ausland und damit 28,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Nach einer Stabilisierung im März - in dem Monat hatte es das erste Umsatzplus seit einem halben Jahr gegeben - setzte sich damit der Abschwung für den langjährigen Exportweltmeister Deutschland fort. Doch der Grund für den dramatischen Wert ist nicht alleine die weltweite Wirtschaftskrise, wie ein Statistiker der Wiesbadener Behörde erläuterte. Die Zahl erkläre sich auch durch den starken Vergleichswert: Der April 2008 war mit Exporten im Gesamtwert von 89,5 Milliarden Euro der stärkste Monat seit Beginn der Statistik im Jahr 1950. Ökonomen verwiesen zudem darauf, dass der April 2009 wegen der Osterfeiertage zwei Arbeitstage weniger als der Vorjahresmonat hatte, weil 2008 Ostern im März lag. Im April 2009 schrumpften auch die Einfuhren deutlich: Sie verringerten sich im Jahresvergleich um 22,9 Prozent auf 54,4 Milliarden Euro. Der Überschuss in der Handelsbilanz - der Saldo von Importen und Exporten - verringerte sich entsprechend: Er ging von 11,3 Milliarden Euro im März auf 9,4 Milliarden Euro im April zurück. Auf Jahressicht war der Rückgang noch kräftiger: Im April 2008 hatte der Handelsbilanzüberschuss noch bei 19,0 Milliarden Euro gelegen. Diese Entwicklung könnte sich, so erklären Volkswirte, aber sogar positiv für die deutsche Wirtschaft auswirken: Wegen des derzeit noch kräftigeren Rückgangs der Importe zeichne sich ein Außenbeitrag ab, der deutlich weniger negativ ist als im ersten Quartal 2009. "Blieben Exporte und Importe im Mai und Juni konstant, dürfte der Außenbeitrag im zweiten Quartal das Wachstum nicht mehr bremsen", erklärten die Ökonomen der Commerzbank. In den ersten drei Monaten 2009 war der Einbruch der Exporte die Hauptursache für den Absturz der deutschen Wirtschaft mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um real 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal: Weil die Exporte stärker zurückgegangen waren als die Importe, fiel der lange Zeit als Konjunkturlokomotive wirkende Außenhandel nicht nur als Stütze für die deutsche Wirtschaft aus, sondern drückte sogar die Wirtschaftsleistung. Im Vergleich zum März 2009 nahmen die Ausfuhren im April kalender- und saisonbereinigt um 4,8 Prozent und die Einfuhren um 5,8 Prozent ab. Insgesamt verteilte sich das Minus gleichermaßen auf alle wichtigen Handelspartner Deutschlands: In die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) wurden im April Waren im Gesamtwert von 40,5 Milliarden Euro versandt - ein Minus von 29,9 Prozent zum Vorjahresmonat. Bezogen wurden aus EU-Staaten Waren für 35,6 Milliarden Euro - ein Rückgang um 22,3 Prozent. In Länder außerhalb der EU wurden im April 2009 Waren im Wert von 23,4 Milliarden Euro exportiert und damit 26,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Importiert wurden aus diesen sogenannten Drittländern Waren für 18,8 Milliarden Euro, was einen Rückgang von 23,8 Prozent bedeutete. (dpa)

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