München. Auf den Straßen in Münchens Innenstadt gilt von diesem Mittwoch an eine "Pickerl"-Pflicht. Vom 1. Oktober an dürfen nur noch Fahrzeuge mit grüner, gelber oder roter Feinstaubplakette den Mittleren Ring in Richtung Stadtzentrum passieren. Für Autos ohne Windschutzscheiben-Aufkleber endet die Fahrt vor dem innenstädtischen Bereich. Keine Plakette bekommen zum Beispiel alte Diesel-Fahrzeuge der Euro I-Norm und Benziner ohne geregelten Katalysator. Doch die Einführung der ersten Umweltzone in Bayern, mit der die Feinstaubbelastung in München gesenkt werden soll, findet nicht nur Zustimmung. In Zukunft können dann auch Autos mit roter Plakette und später mit gelber Plakette aus der Innenstadt verbannt werden. "Die Umweltzone wird die Gesamtbelastung durch Feinstaub nur marginal reduzieren", kritisiert der ADAC-Verkehrsexperte Michael Niedermeier, "sie ist aber ein sehr starker Eingriff in die Mobilität der Betroffenen". Der lokale Verkehr verursache nur etwa ein Viertel der Luftschadstoffe an stark befahrenen Straßen. Den Hauptanteil steuerten Industriekomplexe, Heizungsanlagen und Fahrzeugemissionen außerhalb der Umweltzone bei. "Wir halten die Maßnahme deshalb für wenig sinnvoll", sagt Niedermeier. Kritik kommt auch von den ortsansässigen Handwerkern. "Viele alte Baustellenfahrzeuge können nicht umgerüstet werden", sagt Lothar Semper, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der örtlichen Handwerkskammer. Finanziell besonders stark belastet würden kleine Handwerksbetriebe mit älterem Fuhrpark. "Ein kleines Bauunternehmen zum Beispiel muss auf einen Schlag gleich mehrere Lastwagen umrüsten oder neu anschaffen." Zwar können Halter von technisch nicht nachrüstbaren Fahrzeugen Ausnahmegenehmigungen beantragen. Doch diese gelten nicht für andere Umweltzonen innerhalb Deutschlands und sind zunächst auf ein Jahr befristet. "Was danach kommt, ist ungewiss", sagt Semper. Von den knapp 693.000 in München zugelassenen Fahrzeugen müssen nach Angaben des städtischen Umweltreferats rund 35.000 nachgerüstet werden. Für den Gang in die Werkstatt winkt den Haltern immerhin bis Ende 2009 ein Steuerbonus in Höhe von 330 Euro. Das Patentrezept im Kampf gegen den Feinstaub sei die Umweltzone nicht, sagt auch Henrik Jörgens, Umwelt-Pressesprecher der Stadt. "Sie ist nur ein Baustein von vielen, die die Luftqualität in München verbessern sollen." Eine weitere Maßnahme sei zum Beispiel das seit Anfang Februar geltende LKW-Transitverbot. Die Plakettenpflicht gilt nicht nur für Münchner Fahrzeugbesitzer, sondern auch für Geschäftsreisende, Pendler, Lieferanten und Touristen, die mit dem Auto anreisen. Einbußen für Hoteliers und Gastronomen befürchtet das Münchner Tourismusamt jedoch nicht. Lange im Voraus seien Reiseveranstalter und Gäste über die Umweltzone informiert worden. "Das kommt für niemand überraschend", sagt Amtssprecherin Astrid Ganssen. In anderen deutschen Städten wie Berlin und Stuttgart gilt das Schadstoffklassen-System bereits seit Jahresbeginn. "Die Umweltzone hat dem Hauptstadttourismus nicht geschadet", beruhigt Christian Tänzler, Pressesprecher von Berlin Tourismus Marketing. Und das, obwohl etwa ein Drittel der Gäste mit dem Bus oder im eigenen Auto nach Berlin reisten. Wer vom 1. Oktober an ohne gültige Plakette in der Innenstadt unterwegs ist, riskiert ein Bußgeld von 40 Euro sowie einen Punkt in Flensburg. Von der Regelung ausgenommen sind unter anderem Zweiräder, Zugmaschinen, Krankenwagen und Oldtimer. (dpa)
Erste Umweltzone Bayerns in München stößt nicht nur auf Gegenliebe
Auch auf den Straßen in Münchens Innenstadt gilt ab dem 1. Oktober eine "Pickerl"-Pflicht