Erste Cargolifter-Tochter erklärt Insolvenz

31.05.2002 15:10 Uhr

Nachdem der Luftschiffbauer Cargolifter vorgestern seine Zahlungsunfähigkeit verkündete, musste heute die wichtigste Cargolifter-Tochter Insolvenz beim Cottbuser Amtsgericht beantragen. Noch besteht aber Hoffnung, das Unternehmen zu retten.

Die Cargolifter Development GmbH, eine hundertprozentige und sehr wichtige Tochtergesellschaft der Cargolifter AG, hat heute Vormittag einen Antrag auf Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens wegen Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Cottbus gestellt. Betroffen sind 283 von insgesamt knapp 500 Mitarbeitern der insgesamt zehn Tochterfirmen des Luftschiffbauers. Die Cargolifter AG und die übrigen Tochtergesellschaften haben bisher keinen Insolvenzantrag gestellt. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Professor Rolf-Dieter Mönning bestellt. Die Deutsche Börse setzte die Cargolifter-Aktie am Freitag für eine Stunde vom Handel aus. Nach der Wiederaufnahme notierte sie am Mittag mit 14,1 Prozent im Minus bei 85 Cent. Da sich die Cargolifter Development GmbH schwerpunktmäßig mit der Entwicklung und der Produktion des Transport-Luftschiffs CL 160 beschäftigte, werde mit der Insolvenz nun der Weg für eine grundlegende Restrukturierung und Sanierung der Cargolifter-Gruppe geebnet, so der Luftschiffbauer in einer aktuellen Pressemitteilung. Das Unternehmen arbeitete zur Zeit an der Fertigstellung eines Sanierungskonzeptes, das in Abstimmung mit Insolvenzverwalter Mönning vorgelegt werden soll. Cargolifter versucht die im deutschen Insolvenzrecht vorgesehene Möglichkeit zur Vorlage und Umsetzung eines eigenen Konzeptes zur Restrukturierung und Sanierung eines Unternehmens zu nutzen. Ziel des Konzeptes ist der Fortbestand der Gesellschaft und die Fortführung der Geschäfte. Dazu will sich Cargolifter auf den Bau und Vertrieb des Transport-Ballons "CL 75 AirCrane" konzentrieren und durch ein Vorantreiben der Entwicklung weitere Einsatzmöglichkeiten für dieses Produkt erschließen. Den Traum vom Bau des großes Luftschiffes gibt das Brandenburger Unternehmen aber noch nicht ganz auf. Durch "geeignete Maßnahmen" soll die Kernkompetenz für das Transport-Luftschiff CL 160 erhalten werden, um es später bei sichergestellter Finanzierung umsetzen zu können. Nach eigenen Angaben führt Cargolifter zur Umsetzung des Sanierungskonzeptes die Kontakte mit dem Bund und die Gespräche mit dem Land Brandenburg fort. Neben einer Nutzung der bestehenden achtzigprozentigen Ausfallbürgschaft werden auch Überlegungen angestellt, wie das Land Brandenburg in das Sanierungskonzept einbezogen werden kann. Das Unternehmen betont, dass auch die Verhandlungen mit Banken und Investoren weiter geführt werdenn, die sich bei Zustandekommen eines Konsortiums von Finanzierungspartnern ebenfalls an einer weiteren Unternehmensfinanzierung beteiligen könnten. Unabhängig von der Cargolifter AG hat eine Gruppe engagierter Aktionäre mit der Unterstützung von Politikern verschiedener Parteien die Aktion "Zukunft in Brand" (www.zukunft-in-brand.de) gestartet. Ziel der Initiative ist es, das bisher Erreichte und die bereits entwickelte Technologie zu erhalten und sich für eine Umsetzung in Deutschland einzusetzen. Die Initiative sammelt von den Teilnehmern Gelder auf einem Treuhandkonto, dessen Gelder nur dann ausbezahlt werden sollen, wenn es gelingt, die Cargolifter AG zu erhalten. Die Teilnehmer erhalten dann Wandelanleihen der Gesellschaft in Höhe ihres Investments. Gelingt dies nicht, werden die Teilnehmer ihr Geld von der Initiative zurück erhalten.

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