Einsatzort Containerschiff

08.07.2008 10:16 Uhr
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Der Hamburger Hafen. Manches Schiff kommt aus einem Infektionsgebiet. Viren- und Bakteriendetektive sollen Abhilfe schaffen. (Foto: ddp)

Bakterien- und Viren-Detektive untersuchen stichprobenartig die Containerschiffe, die im Hamburger Hafen einlaufen. Ein Blick hinter die Kulissen

Hamburg. Die Ärztin Clara Schlaich klettert mit ihren drei großen Taschen vorsichtig die etwa 20 Meter lange steile Metallleiter an der Backbord-Seite des Containerschiffes nach oben. Dieselluft in der Nase und Hafenwind im kurzen braunen Haar wird sie von zwei Griechen in orangefarbenen Overalls empfangen. Die Medizinerin soll auf der im Hamburger Hafen liegenden "Cosco Ningbo" einen Seemann gegen Gelbfieber impfen. Gemeinsam mit ihrem Kollegen, Hafeninspektor Ulf-Peter Hüsing, will sie gleichzeitig das riesige Schiff genauer unter die Lupe nehmen, um Hygiene und Gesundheit an Bord zu checken. Infektionen und Seuchen in den Häfen und in den Flughäfen vermeiden oder eindämmen - das ist die Aufgabe des Hafenärztlichen Dienstes. Stichprobenartig untersuchen die 41-Jährige und ihre Kollegen einen Teil der rund 13 000 Schiffe, die jährlich in den Hamburger Hafen einlaufen - kein leichtes Unterfangen. "Wir konzentrieren uns daher auf Schiffe, die aus Infektionsgebieten wie Westafrika kommen", sagt die vierfache Mutter, die neben ihrer Funktion als Amtsärztin auch Leiterin des Hafenärztlichen Dienstes ist. Fünf Ärzte und zehn Inspektoren prüfen im Verlauf des Jahres rund 2200 Schiffe - vom Tanker, über das Container- bis hin zum Kreuzfahrtschiff. "Wir suchen allerdings nicht nur nach Keimen. Wenn alles im grünen Bereich ist, stellen wir auch Zertifikate aus", erklärt Umwelttechniker Hüsing an Bord des griechischen Schiffes. Diese Bescheinigungen müssen alle Schiffskapitäne regelmäßig nachweisen. So besagen es die internationalen Gesundheitsvereinbarungen. Während die stresserprobte Ärztin im Schiffshospital den Seemann impft und die kleine Apotheke kontrolliert, macht sich der 53-Jährige auf den Weg in die Küche. Mit einem Gummihandschuh fährt er die Oberseite der Metallplatten an der Decke ab und nickt zufrieden. "Alles sauber." Auch der Blick in den Kühlschrank und die Küchenschränke fällt positiv aus. Lediglich im Kühlhaus findet der aufmerksame Bakteriendetektiv ein wenig Staub und zu warme Temperaturen. Bei einem möglichen Seuchen- oder Infektionsverdacht hätten Schlaich und Hüsing sofort reagieren müssen. "Erst im März hatten wir Legionellen an Bord eines uralten Schleppers", erinnert sich die Internistin. Das Schiff wurde im Hafen festgehalten. Es durfte erst weiterfahren, nachdem die akute Gefahr beseitigt war. Wegen einer großen Seuche - der Cholera-Epidemie von 1892 - wurde der Hafenärztliche Dienst Ende des 19. Jahrhunderts gegründet. Der Verband deutscher Reeder weiß seine Angebote zu schätzen. Gleichzeitig fordert er ein Kompetenzzentrum für Deutschland. Ohne die föderale Zersplitterung könnten die Hafen-Mediziner "zusammen auf Weltniveau arbeiten", ist sich ein Verbandssprecher sicher. In Deutschland hat jeder Hafen einen eigenen Hafenärztlichen Dienst. Nach knapp zwei Stunden akribischer Suche nach Bakterien und Viren hört Hüsing auf. Auf der griechischen "Cosco Ningbo" läuft alles vorbildlich. Auch der Kapitän ist erleichtert. Er lädt den hochgewachsenen Familienvater mit dem schütteren Haar zum Mittagessen ein. "Ein Essen ist erlaubt, alles andere wäre Bestechung", kommentiert seine Chefin Clara Schlaich dieses seltene Angebot mit einem Augenzwinkern. (dpa)

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