Die effizientere Nutzung des Solarstroms soll durch die Kombination aus einem neuen Energiemanagementsystem und einem Redox-Flow-Batteriespeicher gelingen, wodurch der produzierte Strom jetzt zu 100 Prozent vor Ort genutzt werden könne, so die Nagel-Group. Die Inbetriebnahme des Systems stelle dabei den letzten Schritt in der Verknüpfung der stromerzeugenden Infrastruktur vor Ort dar, so die Nagel-Group.
Solarstrom kann nur teilweise genutzt werden
Seit 2020 befindet sich auf den Dächern der Niederlassung eine PV-Anlage, die pro Jahr rund zwei Millionen Kilowattstunden produziert. Dies würden ausreichen, „um circa 650 Einfamilienhäuser oder 1500 Singlewohnungen zu versorgen“, so das Unternehmen. Wirklich vor Ort genutzt werden konnte der Strom bislang aber nur teilweise. Während die Kühlanlage und die vollelektrischen Lkw bei Sonnenschein mit der Energie betrieben werden konnten, war man nachts oder zu Lastspitzen weiterhin verstärkt auf externe Quellen angewiesen. Gleichzeitig wurde bei optimalen Wetterbedingungen mehr Strom produziert, als verbraucht werden konnte.
Installation einer innovativen Speicherlösung
Daher wurde im Sommer 2025 ein Batteriespeicher installiert. Die vom Unternehmen CellCube entwickelte Energiespeicherlösung funktioniert nach dem sogenannten „Redox-Flow-Prinzip“: Als Speichermedium lagern Elektrolyte in zwei voneinander getrennten Tanks. In separaten Kreisläufen werden sie durch eine Zelle gepumpt, in der dann gespeicherte Energie bedarfsgerecht als elektrische Energie bereitgestellt wird. „Der von uns verwendete Vanadium-Elektrolyt wird aus Nebenprodukten der Stahlindustrie recycelt. Es ist nicht brennbar, wiederverwendbar und enthält keine seltenen Erden.“, erklärte Christoph Stelzer, COO von CellCube Energy Storage. Die Kapazität hängt von der Größe der Tanks, die Leistungsfähigkeit von der Größe der Zelle ab.
Stromaufnahme und -abgabe effizienter steuern
Durch den neuen Speicher war die Nagel-Group dem Ziel der vollständigen Eigennutzung des vor Ort produzierten Stroms schon ein großes Stück nähergekommen. Eine Herausforderung blieb: „Durch den Batteriespeicher können wir die Stromaufnahme und -abgabe noch effizienter steuern“, erklärte Sven Budde, Technischer Leiter der Nagel-Group am Standort Bochum. „Um Spitzen vorzubeugen, müssen wir vorausplanen können“, so Budde weiter. Gemeinsam mit CellCube und Solar-E-Technik Hamm wurde deshalb eine Anwendung entwickelt, die genau das steuerbar macht.
Vollständige Eigennutzung des PV-Stroms
Nach einer Entwicklungsphase wurde das Energiemanagementsystem im Dezember 2025 ersten Tests unterzogen. Schon nach kurzer Zeit der Feinjustierung habe das erklärte Ziel von 100-prozentiger Eigennutzung des vor Ort produzierten Ökostroms erreicht werden können. Außerdem könne der Speicher in Extremfällen als Notaggregat fungieren und Stromausfälle kompensieren. „Dank der neuen Redox-Flow-Batterie von CellCube ist die Nagel-Group dem strategischen Ziel der nachhaltigen Logistik einen großen Schritt nähergekommen“, sagte André Pleines, Executive Director Real Estate der Nagel-Group.
Umsetzung auch an anderen Logistik-Standorten geplant
Das Projekt in Bochum soll kein Einzelfall bleiben, weitere Projekte an dieser und anderen Niederlassungen der Nagel-Group sollen folgen. So beginne noch im März die Erweiterung der PV-Dachanlage in Bochum, wodurch die maximale Leistung um zusätzliche 1,2 Megawatt erhöht wird. Darüber hinaus soll „das Erfolgsmodell aus dem Ruhrgebiet in Zukunft auch an anderen Standorten umgesetzt“, kündigte die Nagel-Group an.