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Die maritime Wirtschaft setzt auf Offshore-Windenergie

Viel zu tun: Von 27 genehmigten Windparks stehen erst vier
© Foto: Shutterstock/ssuaphotos

Für Werften, Zulieferer, Reedereien und Häfen war 2011 ein mäßiges Jahr / Der Ausbau der Offshore-Windenergie soll die Wende bringen


Datum:
20.12.2011
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Hamburg. Die Energiewende elektrisiert die maritime Industrie an der Küste und ihre Zulieferer in Süddeutschland. Bis zum Jahr 2025, so lautet die offizielle Ansage, soll Windenergie auf See rund 15 Prozent des heutigen deutschen Strombedarfs decken. Dazu müssten bis zum Jahr 2020 Windenergie-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 10 Gigawatt und bis 2030 von 25 Gigawatt installiert werden. Das ist ein sehr ehrgeiziges Ziel. Rein rechnerisch müsste in den kommenden acht Jahren an jedem Arbeitstag ein Offshore-Windkraftwerk mit einer Leistung von fünf Megawatt in Betrieb gehen.

Es gibt verbreitete Zweifel, ob angesichts schwieriger technischer Herausforderungen und fehlender Anbindungen der Anlagen an das Festland-Stromnetz die Windenergie in diesem Tempo ausgebaut werden kann. Gegenwärtig sind in Nord- und Ostsee 27 Windparks genehmigt, gebaut sind erst vier. Fest steht aber: Da kommt einiges auf die maritime Wirtschaft zu. Um die Anlagen zu bauen, braucht es Errichter- und Versorgungsschiffe, Plattformen, Fundamente und jede Menge Hafenumschlag, um Baumaterial und die Bauteile an ihren Bestimmungsort zu bringen.

"Die Schiffe müssen Fundamente in bis zu 50 Metern Meerestiefe installieren und die Anlagen bei starkem Seegang und unter schwierigen Wetterverhältnisse montieren", sagt Werner Lundt, Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) in Hamburg. "Dafür eignen sich nur wenige Schiffe und diese sind gefragt wie nie." Der weltweite Bedarf an Errichterschiffen wird in den nächsten Jahren auf 300 bis 400 Stück geschätzt. Bei den deutschen Werften ist davon noch nicht viel zu spüren. Sie haben in diesem Jahr bislang erst drei Aufträge für solche Schiffe bekommen.

Insgesamt lag der Auftragseingang der Branche in den ersten drei Quartalen bei knapp unter 2,4 Milliarden Euro. Das ist noch einiges entfernt vom Niveau vor der Finanz- und Schifffahrtskrise, aber deutlich besser als das Katastrophenjahr 2009. "Die deutsche Schiffbauindustrie glänzt weiterhin mit Top-Produkten", sagt Lundt.

Der Ausbau der Offshore-Windenergie biete bis 2020 nach einer KPMG-Studie ein zusätzliches Umsatzpotenzial von 18 Milliarden Euro, davon 6,5 Milliarden Euro für klassische Werfttätigkeiten und bis zu 11,5 Milliarden Euro für Offshore-Strukturen. Damit könnten 6000 Arbeitsplätze im deutschen Schiffbau gesichert werden. Angesichts der hohen steuer- und verbraucherfinanzierten Förderung müsse ein Teil der Wertschöpfung über die gesamte Kette in Inland bleiben, fordert der Verband.

Auch die Häfen bereiten sich auf die Energiewende vor. Die Hafenwirtschaft muss Kapazitäten für die Offshore-Windparklogistik größtenteils neu entwickeln. Benötigt werden Lager- und Produktionsflächen für Windkraft-Anlagen, Versorgungseinrichtungen, neue Kaimauern und vor allem leistungsfähige Verkehrsverbindungen.

Von dem Ausbau profitieren nicht nur die beiden großen deutschen Häfen Hamburg und Bremerhaven, sondern stärker noch Standorte wie Brunsbüttel, Nordenham, Brake, Lübeck und Stralsund.

"Die deutsche Hafenwirtschaft steht bereit, ihren Beitrag zur Energiewende zu leisten", sagt Andreas Wellbrock aus dem Präsidium des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetrieb (ZDS). "Dabei muss die vorhandene Hafeninfrastruktur großflächig ertüchtigt, ergänzt und erweitert werden." Das sei eine nationale Aufgabe, deshalb sei die Unterstützung des Bundes erforderlich.

Für die deutschen Reeder, die in diesem Jahr in der Containerschifffahrt wegen eines Preiskriegs schwere Verluste erlitten, etabliert sich mit der Bereederung von Errichterschiffen und Servicefahrzeugen ein neues Geschäftsfeld. Es steckt noch in den Kinderschuhen, weil erst wenige Windkraftanlagen arbeiten, aber etliche Reedereien sind schon aufmerksam geworden. Sie wollen nicht nur einfach Schiffe verchartern, sondern komplette Dienstleistungspakete anbieten. Das heißt: Wenn in einigen Jahren vielleicht viele hundert Windkraftanlagen in der Deutschen Bucht stehen, dann haben die Reeder Serviceschiffe mit kompletten Reparaturtrupps im Einsatz, die ausrücken, wenn eine Anlage nicht rund läuft. Aber das ist Zukunftsmusik, so lange der Offshore-Ausbau erst schleppend vorankommt. (dpa)

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