Die Deutsche Bahn trennt sich von Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin. Das teilte die CDU/CSU-Bundestagsfraktion am Mittwoch in Berlin mit. Ein Bahnsprecher wollte dies weder bestätigen noch dementieren. Bahnchef Hartmut Mehdorn soll erzürnt darüber gewesen sein, dass sein Konzern in diesem Jahr weitaus weniger Bundesmittel als gedacht im Schienennetz verbauen kann. Sarrazin, der bei der DB Netz AG für die Investitionen zuständig ist, soll dem Konzernchef berichtet haben, Ende Oktober seien weniger als 700 Millionen DM noch nicht verbaut. Der tatsächliche und dem Verkehrsministerium gemeldete Stand lag jedoch bei der doppelten Summe. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Dirk Fischer, bezeichnete Sarrazin als «hochrangiges Opfer einer langjährig verfehlten Personalpolitik der Bahn.» Das Grundproblem seien die fehlenden Planungskapazitäten des Konzerns. In den vergangenen Jahren hat die Bahn drastisch Stellen für die Planung von Bauvorhaben reduziert. Diese Fachkräfte fehlen jetzt zum Verbauen der für 2001 bis 2003 aufgestockten Milliardenmittel. Auch die Gewerkschaft Transnet hatte die Personalpolitik der Bahn als überzogen und unausgewogen kritisiert. Drei Jahre lang erhält die Bahn vom Bund je zwei Milliarden Mark aus den Erlösen für die UMTS-Lizenzen zusätzlich zu den 6,7 Milliarden Mark für die Schiene. Die in diesem Jahr nicht verbauten Bahnmittel gehen jetzt zunächst in den Straßenbau und sollen dann 2004 wieder an die Bahn fließen. Das sieht ein in der vergangenen Woche vorgestelltes Programm von Verkehrsminister Kurt Bodewig vor. Im kommenden Jahr, hat Mehdorn zugesichert, will die Bahn dann alle Milliarden verbauen. Kurzfristig sollen 1000 Planer eingestellt werden, um unter anderem die vielen Langsamfahrstellen im teils maroden Netz zu beseitigen. (vr/dpa)
Deutsche Bahn kündigt Vorstandsmitglied
Mehdorn wirft wegen Dissenz über Bundesmittel Investitions-Vorstand Sarrazin raus