Berlin. Mit Aussagen zu einem Personalabbau bei der Deutschen Bahn hat der künftige Arbeitsdirektor Norbert Hansen eine Welle der Kritik ausgelöst. Vorstandschef Hartmut Mehdorn sprach von Spekulationen, die „an den Haaren herbeigezogen seien“. Die Gewerkschaft Transnet distanzierte sich von ihrem bisherigen Vorsitzenden, der am 1. Juni in den Vorstand der Bahn wechselt. Hansen sagte der „Bild“-Zeitung (Freitag): „Wir werden bei der Bahn weiter rationalisieren müssen. Und das wird in einigen Bereichen nicht ohne Personalabbau gehen.“ In seinem neuen Amt als Arbeitsdirektor sei es jedoch sein Ziel, ohne Kündigungen auszukommen. Hansen war erst vor einer Woche als Transnet-Chef zurückgetreten. Bei der geplanten Teilprivatisierung der Bahn sollen bis zu 24,9 Prozent einer neuen Tochtergesellschaft für die Verkehrs- und Logistiksparten bis Frühjahr 2009 an die Börse gebracht werden. Mehdorn teilte mit, für einen Personalabbau gebe es keine Pläne „und schon gar nicht gibt es derartige Beschlüsse“. Richtig sei vielmehr, „dass es im Zuge der Teilprivatisierung bis 2023 keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird“. Die zweitgrößte Bahngewerkschaft GDBA warnte vor weiteren Rationalisierungen. „Die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter ist zwischenzeitlich so hoch, dass es für solche Überlegungen keinerlei Spielräume gibt“, sagte ihr Vorsitzender Klaus-Dieter Hommel. Er hatte in den vergangenen Jahren in enger Abstimmung mit Hansen Tarifpolitik betrieben. Die Bundesregierung wies Vermutungen zurück, der bundeseigene Konzern wolle die Beschäftigungssicherung durch Ausgründung von Unternehmen aushebeln. Die vereinbarte Beschäftigungssicherung bis 2023 sei für die Politik „ein zentraler Punkt, der nicht zur Disposition gestellt wird“, sagte der Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Der Transnet-Beirat, das höchste Gremium zwischen den Gewerkschaftstagen, stellte in einem Beschluss fest: „Wir sind nicht damit einverstanden, in welcher Form Norbert Hansen seinen Wechsel zur DB AG gestaltet hat. Dies war seine persönliche und nicht die Entscheidung der Transnet.“ Die Bahngewerkschaft nannte Hansens Äußerung zum Personalabbau eine „in der Sache völlig überflüssige Ankündigung“. Die konkurrierende Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) forderte Krauß und Transnet auf, ihren privatisierungsfreundlichen Kurs zu wechseln. Transnet solle gemeinsam mit der GDL die Börsenpläne der Bahn zulasten der Eisenbahner ablehnen, schrieb GDL-Chef Claus Weselsky an Krauß. Die GDL befürchtet durch den Einstieg privater Investoren einen wachsenden Rationalisierungsdruck. In dem Interview hatte Hansen von den Mitarbeitern der Bahn auch eine höhere Effizienz verlangt: „Es gibt mittlerweile viele regionale Bahngesellschaften, die zeigen, wie es gehen kann. Da ist dann zum Beispiel ein Lokführer nicht nur dafür verantwortlich, den Zug zu steuern - sondern kann in den Zugabteilen auch einmal aufräumen oder auf einem kleinen Bahnhof mit anpacken.“ So etwas sei bei einem großen Konzern wie der Bahn zwar schwieriger, „aber in diese Richtung müssen wir langfristig denken“, sagte Hansen.(dpa) Ihre Meinung ist gefragt! Durch einen Klick auf den Button „Kommentieren" können Sie der Diskussion teilnehmen. Wir freuen uns auf Ihre Beiträge! Bereits abgegebene Kommentare sind am Ende dieser Seite veröffentlicht.
Deutsche Bahn: Hansen kündigt Personalabbau an
Ex-Gewerkschaftschef kritisiert uneffiziente Mitarbeiter: Lokführer sollten künftig auch Abteile säubern