Berlin. Die Deutsche Bahn macht den Termin für den geplanten Börsengang offiziell: Wie bereits von vielen Seiten spekuliert, will der bundeseigene Konzern seine Tochter DB Mobility Logistics am 27. Oktober an die Börse bringen. Dies teilte die Deutsche Bahn AG heute in Berlin mit. 24,9 Prozent der Anteile sollen am Kapitalmarkt angeboten werden. Der Start der internationalen Roadshow, auf der das Management mit institutionellen Investoren sprechen werde, ist den Angaben nach für den 13. Oktober geplant und soll voraussichtlich zwei Wochen dauern. Der Beginn der Zeichnungsphase für Privatanleger in Deutschland soll am gleichen Tag beginnen. „Trotz der angespannten Situation an den internationalen Finanzmärkten gehen wir zuversichtlich in die heiße Phase des Börsengangs, denn aus unseren bisherigen Gesprächen mit Investoren haben wir eine Vielzahl erfreulicher Rückmeldungen erhalten“, sagte Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Die Notierung der Aktien soll im regulierten Markt, dem so genannten Prime Standard, der Frankfurter Wertpapierbörse erfolgen. Dies ist eine Voraussetzung, damit die Bahn in den deutschen Leitindex DAX aufgenommen werden kann. Einem Bericht der „Financial Times Deutschland" zufolge muss die Deutsche Bahn mit einem Erlös von deutlich weniger als fünf Milliarden Euro rechnen. Als Grund werde in Finanzkreisen vor allem die internationale Finanzmarktkrise genannt. Sie könne zu einem Bewertungsabschlag von mindestens zehn Prozent auf den von den Konsortialbanken festgestellten Unternehmenswert führen. Die zwölf Banken, die den Teilbörsengang begleiten, wollen dem Bericht zufolge an diesem Wochenende ihre Analysen zur Unternehmensbewertung vorlegen. Danach werden die zum Verkauf stehenden 24,9 Prozent zumeist in einer Spanne von 4,7 bis 5,3 Milliarden Euro bewertet. Der gesamte Unternehmenswert von DB Mobility Logistics wird demnach auf rund 20 Milliarden Euro beziffert. Am Donnerstag hatte die Russische Eisenbahn als erster großer Investor offen Einstiegsabsichten signalisiert. „Wir erwägen, uns um einen Anteil von etwa fünf Prozent zu bemühen", sagte der russische Bahnchef Wladimir Jakunin. Mehdorn hatte sich aufgeschlossen für Beteiligungen benachbarter Bahnen gezeigt. Die französische SNCF hatte dagegen mitgeteilt, vorerst keine Aktien zu kaufen. Bei deutschen Politikern stieß die Ankündigung aus Moskau zum Teil auf Kritik: „Wir fordern die Bundeskanzlerin auf, Mehdorn zu stoppen. Ein Verkauf der Bahn unter Wert und an den Großinvestor Russische Staatsbahn ist nicht im deutschen Interesse", sagte Fritz Kuhn, Fraktionsvorsitzender von Büdnis90/Die Grünen. „Die Deutsche Bahn ist ein wertvolles Vermögen, das mit dem Einsatz von vielen hundert Milliarden Euro vom deutschen Steuerzahler geschaffen wurde. Dieses Vermögen darf nicht einfach verscherbelt werden" kritisierte der verkehrspolitsiche Sprecher der FDP, Horst Friedrich, den geplanten Börsengang Ende Oktober. (dpa/sb))
Deutsche Bahn geht Ende Oktober an die Börse
Börsengang am 27. Oktober: Staatskonzern muss mit Erlösen von deutlich weniger als fünf Milliarden Euro rechnen