Daimler baut für 800 Millionen Euro neues Werk in Ungarn

18.06.2008 17:25 Uhr

Daimler baut ein neues großes Automobilwerk in Ungarn. Dort will der Autohersteller künftig einen Teil seiner A- und B-Klasse fertigen.

Stuttgart. Rund 800 Millionen Euro werde der Konzern in den Bau eines neuen Osteuropa-Werks in der Stadt Kecskemét investieren, kündigte Vorstandschef Dieter Zetsche am Mittwoch in Stuttgart an. Der bisher einzige Produktionsstandort für die Kompaktklasse in Rastatt bleibt erhalten und wird mit einer Finanzspritze von 600 Millionen Euro weiter gestärkt. Daimler will in Kecskemét 2012 die Produktion hochfahren, Baustart ist im nächsten Jahr. An dem Standort rund 80 Kilometer südlich von Budapest sollen 2500 Arbeitsplätze entstehen. Rastatt bleibe aber auch weiterhin ein wichtiger und bewährter Bestandteil des Produktionsnetzwerkes, betonte Mercedes-Produktionsvorstand Rainer Schmückle. Daimler werde das Werk auch mit der nächsten Generation seiner Kompakt-Modelle voll auslasten. Eine Reduzierung der Mitarbeiterzahl von rund 6000 in Rastatt sei derzeit nicht geplant. In dem badischen Werk laufen jährlich rund 280 000 Fahrzeuge vom Band. In Kecskemét wird mit einer Produktion von nicht unter 100 000 Fahrzeugen gerechnet. In Ungarn gebe es gesamtwirtschaftlich aber die eindeutig besseren Perspektiven, erklärte Schmückle den Schritt. Neben geringen Lohnkosten sollen auch die gute Infrastruktur in dem Teil Ungarns sowie die stabile Struktur zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber eine Rolle gespielt haben. Nach Brancheninformationen liegen die durchschnittlichen Lohnkosten in Ungarn bei fünf Euro und damit noch zwei Euro niedriger als beispielsweise in Polen. In Ungarn hatten sich bereits in den ersten Jahren nach der Wende internationale Auto-Hersteller niedergelassen. So fertigen Audi in Györ (Westungarn) und Suzuki in Esztergom bei Budapest seit den 1990er Jahren. Eine Produktion in den Billiglohnländern in Osteuropa haben auch Volkswagen und BMW in Russland aufgebaut. In Rumänien sind Renault und Ford vertreten. Der rumänische Ministerpräsident Calin Popescu Tariceanu sagte nach der negativen Standortentscheidung für sein Land: „Wer glaubt, dass die ganze Automobilindustrie der Welt in Rumänien investieren wird, der irrt sich.“ Mit den Millioneninvestitionen in Osteuropa wollen die Stuttgarter ihr Angebot in der Kompaktklasse von zwei auf vier Modelle ausbauen. Drei Fahrzeuge der Kompaktklasse sollen künftig in Rastatt und zwei Modelle der A- und B-Klasse in Ungarn gefertigt werden. Über die Osteuropa-Strategie der Stuttgarter hatte es zuletzt viele Diskussionen gegeben. Neben einem Werk in Ungarn waren auch Standorte in Polen und Rumänien immer wieder genannt worden. Unter anderen sollen das rumänische Cluj - dorthin ist Handyhersteller Nokia von Bochum gegangen - sowie die Regionen um die polnischen Orte Gliwice (Gleiwitz) und Wroclaw (Breslau) als Produktionsstandort im Gespräch gewesen sein.

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