Hamburg. In der Weltcontainerschifffahrt könnte es in einigen Jahren einen erneuten Quantensprung bei der Container-Transportkapazität geben. „In der kommenden Woche beginnen Modellversuche für ein Containerschiff, das bis zu 22.000 TEU (Zwanzig-Fuß-Einheiten) befördern kann“, berichtete Uwe Hollenbach von der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt (HSVA) heute in der Elb-Metropole auf dem 6. Schifffahrts-Symposium der Reederei-Gruppe Hansa Treuhand. Bislang gilt der im September 2006 in Fahrt gebrachte Containerfrachter „Emma Maersk“ – und ihre Schwesterschiffe – als größtes, jemals gebautes Containerschiff mit offiziell 11.000 TEU. Werftexperten gehen sogar von mehr 14.000 TEU aus, die mit dem rund 400 Meter langen Riesenfrachter – theoretisch – befördert werden könnten. Ob jemals ein 22.000-TEU-großer Frachter allerdings jemals gebaut werden könnte, lasse sich derzeit noch nicht absehen, stellte HSVA-Experte Hollenbach klar. Das weltweite Containeraufkommen wird jedenfalls weiter zunehmen, erwartet Burkhard Lemper vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) in Bremen. Zwar gebe es seit einigen Wochen eine „leichte Nachfragedelle“, doch warnte Lemper ausdrücklich davor, diese Erscheinung bereits als Krise einzustufen. So geht das ISL für 2008 unterm Strich von einem weltweiten Mengenplus im Containerverkehr von gut neun Prozent auf weit über 500 Millionen TEU bis zum Jahresende aus. Lemper: „Bis 2020 wird sich das weltweite Containertransportaufkommen auf rund eine Milliarde TEU eingependelt haben.“ Bis dahin werden die chinesischen Häfen ihre Marktstellung noch weiter ausgebaut haben. Bereits jetzt bringen sie es auf einen Gesamtumschlag von gut 134 Millionen TEU, was einem Weltmarktanteil unter Containerhäfen von gut 28 Prozent entspricht. Für die internationalen Reeder wird das Thema Treibstoffeinsparung und Umweltschutz in den kommenden Jahren einen immer größeren Stellenwert einnehmen, so legten verschiedene Referenten des von gut 60 Teilnehmern besuchten Symposiums dar. Erkennbar sei dabei unter anderem ein Trend, mit den vorhandenen Schiffen langsamer zu sparen und Neubauten von vornherein für geringere Geschwindigkeiten auszulegen. Auch beschäftigen sich immer mehr Reedereien mit alternativen Antrieben, wie zum Beispiel dem von der Hamburger Firma Sky Sails entwickelten Zugdrachen-System. Dass sich dieser Zusatzantrieb in der Breite durchsetzen wird, hielten die verschiedenen Referenten allerdings für unwahrscheinlich. Vielmehr sei ein solches System aus heutiger Sicht nur für eine bestimmte Schiffsgröße und zudem in speziellen Einsatzgebieten wirtschaftlich sinnvoll. (eha)
Containerschifffahrt: Modellversuche mit 22.000 TEU-Frachter
Experte rechnen trotz leichter Flaute mit Wachstum im Weltcontainerverkehr / Reeder suchen nach Möglichkeiten der Treibstoffeinsparung