Nur wenige Politiker sagen so klar ihre Meinung wie Oswald Metzger. Das hat ihm in seiner Karriere viel öffentliches Interesse eingebracht. Durch echten Einfluss und politische Handlungsmacht hingegen konnte sich der Parteienwanderer (erst SPD, dann Grüne, zur Zeit CDU) aber eher selten auszeichnen. In seinem neuen Buch „Die verlogene Gesellschaft“ holt der Politiker und Unterstützer der arbeitgebernahen Initiative neue soziale Marktwirtschaft zum Rundumschlag aus. Seine These: Die Politik handelt gegen jede Vernunft und die Bürger agieren als Komplizen, eine „unheilige Allianz, die Veränderungen fast unmöglich macht“. Viele der Beispiele, die Metzger anführt, sind jedoch nicht neu und auch in dieser Klarheit schon oft diskutiert worden – sei es die Rücknahme der Kürzung der Bezugsdauer von Arbeitslosengeld oder der Mindestlohn. Er beklagt den Linksruck in Gesellschaft und Politik und setzt diesem klare wirtschaftsliberale Thesen entgegen. Seine Analyse ist vor allem da stark und durchaus lesens- und bedenkenswert, wo er allgemein bekannte Schauplätze verlässt und sich anderen Themen zuwendet. So prangert er den Betroffenheitsjournalismus nach dem Motto „Die Betroffenen haben immer Recht“ an, der dem TV-Zuschauer Emotionen statt Erkenntnis nahe bringt – etwa in Form der Einspieler bei „Hart aber fair“ oder der weißen Couch bei „Anne Will“ . Ein solches Strickmuster verhindere eine objektive Diskussion unpopulärer Themen und trage somit zur verlogenen Politikgestaltung bei. Auch kritisiert er die Praxis, wie Parteien ihre Bundestagskandidaten bestimmen – hier ginge Linientreue vor Kompetenz und Reputation. Ein Beispiel hierfür hat der Autor natürlich sofort parat: seine zwei gescheiterten Anläufe für die Nominierung als CDU-Direktkandidat, in der er gegen „bequeme und handzahme Mitstreiter“ unterlag. (tr) Oswald Metzger, Die verlogene Gesellschaft. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2009, Taschenbuch, 224 Seiten, 18,90 Euro, ISBN 978-3-871346248
Buch der Woche: Die verlogene Gesellschaft
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