Deutschland steckt immer noch in der tiefsten Wirtschaftskrise der Moderne. Die kommenden Monate werden zeigen, ob das Schlimmste überwunden ist oder ob den Unternehmen weiter harte Zeiten bevorstehen. Der ehemalige Wirtschaftschef der Süddeutschen Zeitung, Nikolaus Piper, hat eine erste durchaus selbstkritische Analyse der Rezession vorgelegt. Er beginnt nicht erst im 21. Jahrhundert mit seiner Suche nach den Ursachen der Krise, sondern greift weit in die amerikanische Geschichte zurück. Sehr einprägsam schildert Piper die ökonomischen Erfolge, aber auch Krisen der USA und ihre Bedeutung für die Weltwirtschaft. Während er nebenbei seinen Lesern das amerikanische Wirtschafts- und Finanzsystem der letzten Jahrzehnte erklärt, legt er sehr anschaulich die Gründe für den Zusammenbruch der US-Finanzindustrie im Herbst 2008 dar. Letztlich wurde die eigene Gier den Finanzjongleuren zum Verhängnis. Die Zeiten, in denen die Wall Street den Puls der Weltwirtschaft bestimmte, sind vorerst vorbei. Piper mahnt Lehren aus der Krise an. Der Staat müsse das Bankensystem reformieren, Schulden abbauen und nachhaltiger wirtschaften. Ein lesenswertes Buch, welches vieles verständlicher macht. Doch die aktuellen politischen Diskussionen zeigen: Der Appell des Journalisten verhallt ungehört in den Fluren der Weltpolitik. (sb) Nikolas Piper, Die Große Rezession. Amerika und die Zukunft der Weltwirtschaft. Carl Hanser Verlag, München 2009, 300 Seiten, gebunden, 19,90 Euro, ISBN 978-3-446-41952-0
Buch der Woche: Die große Rezession
Jede Woche neu: die aktuelle Buchbesprechung, ausgewählt von Ihrer VerkehrsRundschau