Bremerhaven. Nach starken Einbußen im Hafenumschlag in Zeiten der Wirtschaftskrise soll künftig ein Teil des Containerterminals Bremerhaven als Montage- und Umschlagplatz für Offshore-Windkraftanlagen dienen. Das vereinbarten der Terminalbetreiber Eurogate und das Windenergieunternehmen RWE Innogy am Montag. RWE werde auf der 17 Hektar großen Fläche von Mitte 2011 an zunächst 48 Windturbinen vormontieren und zu einem Windpark 35 Kilometer nördlich von Helgoland bringen lassen, sagte der Geschäftsführer von RWE Innogy, Fritz Vahrenholt. Eine Herausforderung vor dem Start der kommerziellen Nutzung ab 2011 ist laut Vahrenholt jedoch noch die Netzanbindung.
Eurogate vermietet die Terminalfläche für zunächst zwei Jahre. In der Zwischenzeit wird in Bremerhaven ein neuer Spezialhafen geplant. Der künftige Offshore-Basishafen ist laut Vahrenholt der einzige Platz an der deutschen Küste, der für RWE Innogy infrage kam. Das Areal am Südende des Containerterminals biete nicht nur genügend Platz, sondern stünde auch exklusiv für sein Unternehmen zur Verfügung.
Das Energieunternehmen will dort bis zu 160 Meter hohe Windräder vormontieren lassen, dessen Teile bei dem Hersteller Repower im benachbarten Fischereihafen produziert werden.
Weniger das enorme Gewicht pro Anlage sondern der Preis von etwa 15 Mio. Euro ist nach Aussage Vahrenholts eine Herausforderung für alle Beteiligten, gerade auch im Rahmen der Transportlogistik. Dafür werde momentan eigens das Innogy-Installationsschiff „Seabreeze" (Auftragswert 100 Mio. Euro) auf der koreanischen Werft Daewoo gebaut, das jeweils drei Anlagen gleichzeitig zu dem Standort auf hoher See bringen und dort aufstellen kann.
Keine Beeinträchtigungen des Schiffsverkehrs erwartet
Obwohl die vormontierten Rotoren der Windräder einen Durchmesser von 120 Metern haben, sieht Eurogate-Vorstand Emanuel Schiffer keine Beeinträchtigungen für den Schiffsverkehr auf der Weser sowie für den Terminalbetrieb. Der Montage- und Umschlagsplatz mache nur acht Prozent der gesamten Terminalfläche aus.
Um Platz für die Windanlagen zu schaffen, rücken alle Containerumschlagsunternehmen auf dem Terminal enger zusammen. Als Folge der Weltwirtschaftskrise ist die Anlage derzeit nicht ausgelastet.
Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) und Bremerhavens Oberbürgermeister Jörg Schulz (SPD) sehen in dem Vertragsabschluss einen wichtigen Beitrag, die führende Position Bremerhavens in der Offshore-Industrie auszubauen. Außerdem verschaffe die Terminalnutzung der Politik Zeit für die Planung eines neuen Spezialhafens. Für Bremerhaven bedeute das Engagement hohe Wertschöpfung mit 50 bis 70 Mitarbeitern, die ihren Arbeitsplatz vorübergehend in die Seestadt verlagern, so Vahrenholt.
Nach Angaben von Schulz will der Senat am 15. Juni die Weichen für das neue Hafenprojekt stellen. Allein RWE will bis 2020 rund 200 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 1300 Megawatt von Bremerhaven aus an Standorte in der Nordsee bringen. (dpa)