Auch am Montag hat sich die Lage bei der französischen Staatsbahn SNCF nicht normalisiert, im Frachtbereich wird der Stillstand laut Schätzungen noch eine Woche dauern. Bahnchef Louis Gallois hatte Ende letzter Woche der von allen Gewerkschaften erhobenen Hauptforderung nachgegeben und den Neugliederungsplan "Cap Clients" auf Eis gelegt. Beobachter glauben jedoch, dass dieser damit komplett gestorben ist und insofern auch die Aussicht, die Bahn nicht nur zu Hause, sondern auch im EU-Rahmen als ernsthafte wettbewerbsfähige Alternative zum Straßentransport zu etablieren. Vorgesehen war, das Unternehmen in eigenständige Funktionsbereiche wie Personen- und Güterverkehr sowie weitere Bereiche aufzuteilen. Außerdem sollten die Regionaldirektionen mehr Entscheidungskompetenzen erhalten, damit sie kundengerechter arbeiten können. Doch darin sahen die Arbeitnehmerorganisationen die Gefahr der parziellen Privatisierung des Staatsunternehmens. Um den seit 11 Tagen laufenden Streik zu beenden, hat Louis Gallois der Bahn durch Zusagen weitere finanzielle Verpflichtungen in Höhe von 240 Millionen Mark aufgeladen, wovon 179 Millionen allein auf den Lohn- und Stellenbereich entfallen. Allein im Güterverkehr muss die SNCF mit Schadensersatzforderungen der Verlader voraussichtlich in Millionenhöhe rechnen. Großer Gewinner des Ausstands ist der Straßengütertransport, wie die Presse anhand zahlreicher Beispiele von Großbetrieben berichtete. Bei Perrier-Vittel in den Vogesen kam es trotz der Erhöhung der Lkw-Fuhren von 100 auf 300 zu Transportengpässen, Produktionsstopps und Kurzarbeit. Der Röhrenfabrikant Vallourec im Nord-Pas-de-Calais sieht seine Wettbewerbsfühigkeit gefährdet und denkt ernsthaft an Umsiedelung des Betriebes, wie Les Echos berichtete. Die Brauerei Heineken in Mons-en-Baroeul mit täglich 20 Bahnwaggons musste ebenso komplett auf Lkw umstellen wie Renault in Douai, wo der Mégane Scénic gebaut wird; der Autohersteller befördert normalerweise 40 Prozent der Produktion über die Schiene. Der bretonische Futtermittelhersteller Glon Sanders schließlich hat angekündigt, sein bisheriges Bahnfrachtvolumen von einem Güterzug pro Tag auf nur noch einen pro Woche zu reduzieren. (vr/jb)
Bahnstreik in Frankreich: Die Rechnung wird gesalzen
Schadenersatzforderungen der Verlader voraussichtlich in zweistelliger Millionenhöhe