Es seien nur noch vertragliche Kleinigkeiten zu regeln, schreibt die Westdeutsche Allgemeine Zeitung und beruft sich dabei auf politische Kreise. Mit einer Entscheidung werde in den nächsten Tagen gerechnet. Von den Beteiligten Unternehmen sei keine Stellungnahme zu erhalten gewesen. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hatte bereits vorher sein Interesse an der Stinnes Landverkehrstochter Schenker betont. Das wäre "ein strategischer Fit", hatte der Manager gesagt. Und Recht hat er. Zudem betreibt die Bahn mit Schenker das Gemeinschaftsunternehmen Railog. Ebenso hatte der E.On-Vorstand schon länger geäußert, sich im laufe des Jahres von seiner nicht zum eigenen Kerngeschäft gehörenden Logistikbeteiligung trennen zu wollen. Allerdings war nie die Rede davon, dass der Konzern dafür zerschlagen und in seinen Einzelteilen verkauft werden soll. Zuvor waren dem Zeitungsbericht zu Folge zwischen E.On und der Deutschen Post gescheitert. Kommt das Geschäft zustande, entsteht ein Konzern mit gut 250.000 Mitarbeiter und rund 28 Milliarden Euro Jahresumsatz. Bleibt die Frage der Finanzierung. Christian Cohrs, Analyst bei der HypoVereinsbank, hatte diese Frühjahr den Wert von Stinnes auf 3,5 Milliarden Euro veranschlagt. Die Bahn wies in ihrem Geschäftsbericht 2001 aber nur Liquide Mittel von 360 Millionen Euro sowie Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände von 4,2 Milliarden Euro aus. Dem stehen zudem Verbindlichkeiten von 18 Milliarden Euro gegenüber. Auf dem Wissenschaftssymposiums der Bundesvereinigung Logistik (BVL) wurde noch der dänische Seefrachtdienstleister Maersk Sealand als Kaufinteressent gehandelt.
Bahn-Chef Mehdorn greift nach Stinnes
Nicht UPS oder Kühne & Nagel sondern die Deutsche Bahn will dem Energiekonzern E.On dessen Mehrheitsbeteiligung von Mitte 60 Prozent an dem Logistikdienstleister Stinnes abkaufen.