Die mit der Sonderprüfung der Comroad-Bilanz für das Geschäftsjahr 2001 beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl und Partner hat jetzt ihren Prüfbericht vorgelegt. Die Prüfer können nur 1,4 Prozent oder 1,3 Millionen Euro der angegebenen Umsätze testieren. Für den Rest von immerhin 92,3 Millionen Euro sei kein Nachweis möglich. Die ursprünglichen Prüfer von KPMG hatten ihr Mandat fristlos gekündigt, als immer klarer wurde, dass vermeintliche Geschäftsbeziehungen nach Asien nicht bestehen. Letzteres bestätigen Rödl und Partner in ihrem Gutachten: "Recherchen über angebliche Vertragspartner ergaben, dass es diese teilweise nicht beziehungsweise im Prüfungszeitraum 2001 nicht mehr gibt. Insbesondere hat die Gesellschaft 2001 96,4 Prozent ihrer angegebenen Umsätze über die VT Electronics Ltd. abgewickelt. Nachweise dahingehend, dass tatsächlich Geschäfte mit dieser Firma in 2001 ausgeführt wurden und dass diese Gesellschaft zu irgendeinem Zeitpunkt existierte, konnten nicht erbracht werden. Da hohe Umsatzerlöse weltweit ausgewiesen wurden, bei denen jedoch gleichzeitig keine Gelder geflossen sind, steht zu vermuten, dass Scheinrechnungen erstellt und Eingangsrechnungen fingiert wurden. Diese wurden dann als Umsatz, Wareneinsatz beziehungsweise geleistete Anzahlungen im Jahresabschluss 2001 ausgewiesen." Wenn dem so ist, dann klingt das schlicht nach Betrug. Da trifft es sich gut, das der Ex-Vorstandsvorsitzende und Gründer Bodo Schnabel wegen des Verdachts auf Kursbetrug bereits inhaftiert ist. Als wenn das nicht genug wäre, lassen die Prüfer noch wissen, dass von Comroad eingegangene Beteiligungen und gewährte Darlehen "teils unter Außerachtlassung des Vorsichtsprinzips nicht oder nicht ausreichend besichert" wurden. Einige der Beteiligungen seien bereits insolvent, anderen würde dies drohen. Da Comroad für diese Unternehmen gebürgt hat oder ihnen Darlehen gewährte, sei mit einem weiteren Wertberichtigungsbedarf und finanziellen Verpflichtungen zu rechnen. Um welche Summe es sich dabei handelt und ob eventuell noch Schadensersatzklagen dazu kommen ist noch offen. Comroad soll momentan noch rund 26 Millionen Euro in der Kasse haben. Nachdem Umsätze nicht wirklich existierten, geschweige denn zu Einnahmen führten, dafür aber weitere Zahlungsverpflichtungen für Comroad zu erwarten sind, kann eine Insolvenz derzeit nicht ernsthaft ausgeschlossen werden. Zumal die Sonderprüfung der Geschäftsjahre 1998 bis 2000 noch aussteht. Und mal wieder stirbt die Hoffnung zuletzt. Die neue Unternehmensführung lässt wissen, dass er die Gesellschaft umgehend restrukturieren wolle, um die Fortführung der Geschäfte zu sichern. Welcher Geschäfte?
Alles Lüge bei Comroad
Gewusst hat es eigentlich längst jeder – jetzt ist es amtlich und liegt schwarz auf weiß vor: Der vom Telematikdienstleister Comroad für der vergangenen Jahr vorab gemeldete Umsatz von 93,6 Millionen Euro ist eine Luftnummer.