Rom. Der Verwaltungsrat der angeschlagenen Alitalia wird nach italienischen Presseberichten wahrscheinlich auch am Dienstag nicht über einen möglichen Käufer entscheiden. Der Grund dafür seien anhaltende Meinungsverschiedenheiten in der italienischen Regierung, schrieb die Mailänder Tageszeitung „Il Sole 24 Ore“ vor der für den späten Nachmittag anberaumten Sitzung der defizitären Gesellschaft. Die Entscheidung zwischen dem Kaufangebot von Air France-KLM und dem der zweitgrößten italienischen Fluggesellschaft Air One könnte damit auf Januar vertagt werden. So solle in den Gewerkschaften während der Weihnachtsferien Unruhe vermieden werden. Alitalia verliere dabei täglich weiterhin mindestens 1,5 Millionen Euro und nähere sich so dem „Punkt, an dem es keine Rückkehr mehr gibt“, fügte das Blatt an. Die römische Tageszeitung „La Repubblica“ ging ebenfalls von einer möglichen Verschiebung aus und verwies dabei vor allem auch auf den Besuch des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy an diesem Donnerstag in Rom. Während Ministerpräsident Romano Prodi ein Zusammengehen von Alitalia mit Air France-KLM befürwortet, setzen sich maßgebliche andere Vertreter der Mitte-Links-Regierung für eine „italienische Lösung“ mit Air One ein. Die deutsche Lufthansa hatte zunächst kein eigenes Kaufangebot machen wollen. Sie arbeitet gegenwärtig in einem Codesharing-Abkommen mit Air One zusammen. Dabei verkaufen die beiden Gesellschaften getrennt voneinander Tickets für ein und denselben Linienflug. Ursprünglich hatte der Alitalia-Verwaltungsrat bereits in der vergangenen Woche festlegen wollen, mit wem Exklusivverhandlungen über einen Kauf der maroden Fluggesellschaft aufgenommen werden sollen. Der italienische Staat will mindestens 39,9 Prozent seiner insgesamt 49,9-prozentigen Beteiligung an Alitalia verkaufen. (dpa)
Alitalia-Verkauf verzögert sich
Ringen um italienische oder ausländische Lösung: Neue Verschiebung der Alitalia-Entscheidung erwartet