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Hart wie Krupp-Stahl: ThyssenkruppSteel verlangt zehn Prozent Abschlag auf die Fracht und rückt von der Forderung bislang nicht ab

©Michael Neuhaus/DB AG

Thyssenkrupp Steel verlangt Abschlag von seinen Dienstleistern

Thyssenkrupp Steel verlangt in einem Brief an seine Transportdienstleister eine pauschale Reduzierung der Frachtraten um zehn Prozent.

München. Erst die Spedition Hellmann und jetzt Thyssenkrupp Steel (TKSE): Der Stahlhersteller will bei seinen Transportdienstleistern angesichts der Corona-Krise eine Frachtreduzierung von zehn Prozent erwirken. Das geht aus einem Brief hervor, den TKSE an seine Transportdienstleister geschickt hat. Absender des Schreibens ist der Vorstand von TKSE persönlich. Der Brief liegt der VerkehrsRundschau (VR) vor.

Hellmann hatte einen Abschlag von 15 Prozent gefordert und dann einen Rückzieher gemacht

Erst letzte Woche hatte der Dienstleister Hellmann einen ähnlichen Brief an seine Transportpartner verschickt und darin einen Abschlag von 15 Prozent gefordert. Auch dieses Dokument lag der VR vor. Die VR hatte Hellmann am Dienstag Vormittag dieser Woche mit dem Brief konfrontiert. Am Dienstag Nachmittag dann ruderte Hellmann zurück. Sven Eisfeld, Managing Director Deutschland bei Hellmann Worldwide Logistics, teilte der VR mit, dass es sich um ein Versehen gehandelt habe und dass „das Schreiben als gegenstandslos zu betrachten“ sei. Mehr dazu in dieser Nachricht.

Jetzt ist ein Brief von TKSE bekannt geworden vom 29. März mit der Überschrift „Anpassung der Vertragskonditionen an die aktuellen Marktbegebenheiten“, der an die Transportdienstleister vonn TKSE ging. Darin beschreibt TKSE zunächst seine „äußerst schwierige Lage“: Die Kunden hätten die Schließung größerer Produktionsstätten verkündet. Zugleich drohten bei der Rohstoffversorgung Engpässe bei gleichzeitig volatilen Preisen. TKSE sah sich daher gezwungen, die Produktion zu drosseln.

Die derzeitige Situation sei nicht zu vergleichen mit den Krisen der letzten Jahre, heißt es weiter. Einfache Sparmaßnahmen würden nicht ausreichen, um wieder in die Erfolgsspur zu kommen.

Zehn Prozent Frachtreduzierung: ein "angemessener und fairer Beitrag"

Aus Sicht von TKSE würden sich angesichts der aktuellen Entwicklungen in den Frachtenmärkten und „der rapide fallenden Faktorkosten für Treibstoffe“ entsprechende Handlungsspielräume für eine „aus unserer Sicht dringend erforderlichen Absenkung der Transportkonditionen“ ergeben. „Daher erachten wir eine Frachtreduzierung in Höhe von 10 % für alle noch nicht abgewickelten Einzelaufträge im Rahmen des mit Ihnen bestehenden Transportrahmenvertrages als angemessenen und fairen Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Krisensituation“, heißt es in dem Brief.

Man sehe sich derzeit leider nicht in der Lage, sich kurzfristig mit allen Geschäftspartnern persönlich zu diesem Thema auszutauschen. Dann bittet der TSKE-Vorstand, die beigefügte Einverständniserklärung über die Frachtreduzierung bis spätestens zum 31. März 2020 zurückzusenden. Den Abschlag werde TSKE dann ab dem 1. April 2020 für die Restlaufzeit des Transportrahmenvertrages in Ansatz bringen. „Sollte sich das Marktumfeld in den kommenden Wochen und Monaten nachhaltig verändern, werden wir die Situation entsprechend neu gemeinsam mit Ihnen bewerten“, heißt es in dem Brief.

TKSE lehnt Stellungnahme ab 

Die VR hat TKSE um Stellungnahme zu dem Brief gebeten. Unter anderem wollten wir wissen, wie viele Unternehmen angeschrieben wurden, wie viele bereits ihr Einverständnis abgegeben haben und ob TKSE diesen Schritt tatsächlich als fair empfindet. Denn es ist zwar richtig, die Dieselpreise sind gesunken, aber zumindest im Februar 2020 laut den Zahlen des Statistisches Bundesamtes nur um 3,1 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 1,4 Prozent gegenüber dem Februar 2019. Da die Dieselpreise im Fernverkehr etwa 25 Prozent der Gesamtkosten ausmachen, bedeutet eine Verringerung der Dieselpreise um 3,1 Prozent, dass die Gesamtkosten lediglich um 0,8 Prozent rückläufig gewesen sind. Im Vergleich zu den geforderten zehn Prozent ist diese Einsparung also minimal.

TKSE lehnte die Beantwortung sämtlicher Fragen der VR ab. Die kurze Begründung: „Wir kommentieren vertragliche Beziehungen nicht öffentlich“.  (cd)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special STAHLLOGISTIK & METALLHANDEL.

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Stahllogistik & Metallhandel, Markt für Transport, Spedition und Logistik, ThyssenKrupp Logistik

  • 04.04.2020

    Rolf

    Ich empfinde dieses Vorgehen als unfair. Hier versucht man Kosten einzusparen zu Lasten von Unternehmern, die man sowieso schon seit Jahren mit immer neuen Kostensenkungsprogrammen und "pain speeches" peinigte.

  • 03.04.2020

    Eberhard Klein

    Sinngemäß hat DHL vor 20 Jahren ähnlich geantwortet nur umgekehrt hättest Du in guten Jahren gespart müsstest du jetzt nicht um mehr Geld bitten, immer auf die kleinen

  • 03.04.2020

    Rolf Pest

    Das Thema Einsparung durch gesunkene Frachtstoffpreise greift ganz sicher nicht. In der Regel werden zwischen Auftraggeber und Dienstleister ein Dieselfloater mit einem Basiswert den Frachtvereinbarungen zugrunde gelegt. Die Dieselpreise werden monatlich veröffentlicht und im Falle von gesuneken Kraftstoffpreisen automatisch über den Dieselfloater +/- angepasst.
    Die geforderte Reduzierung würde wohl ungeachtet der Dieselpreise voll greifen.

  • 03.04.2020

    Gerhard Popp

    Nachdem TKSE die Produktion runter gefahren hat, brauchen Sie ja sicher auch nicht mehr so viel staatliche Hilfen und diese können dann auch komplett gestrichen werden.
    Nicht das sich da ein unvorhergesehener Gewinn ansammelt mit dem TKSE dann nichts anfangen kann


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