Investitionszurückhaltung bei deutschen Unternehmen

01.07.2026 14:29 Uhr | Lesezeit: 3 min
Unter verschiedenen Geldscheinen schaut ein Kreditantrag hervor
Bei vielen Unternehmen hakt es insbesondere beim Zugang zu Finanzierungen
© Foto: studio v-zwoelf/stock.adobe.com

Die deutschen Unternehmen haben bei sich selbst hohe Investitionsrückstände erkannt, planen aber immer weniger zu investieren. Dafür gibt es mehrere Gründe.

In Deutschland sehen 92 Prozent der Unternehmen bei sich grundsätzlich Investitionsbedarf. Am häufigsten sehen sie diesen im Bereich Digitalisierung, wo 53 Prozent Bedarf melden. Obwohl sie den Investitionsbedarf bei sich erkennen, planen aber lediglich 61 Prozent der Unternehmen, in den kommenden zwölf Monaten auch tatsächlich Investitionsprojekte durchzuführen. Die Zahlen stammen aus einer Unternehmensbefragung, die KfW Research gemeinsam mit 19 Spitzen-, Fach-, und Regionalverbänden der deutschen Wirtschaft durchgeführt hat.

Schwieriges wirtschaftliches Umfeld

Die Quote der Unternehmen liegt nur knapp über die der Unternehmen, die im vergangenen Jahr Investitionen getätigt haben, das waren damals 57 Prozent. Dieser Wert lag sogar unter dem Niveau des Krisenjahres 2009, als noch 68 Prozent investierten. Die wichtigsten Gründe für die Zurückhaltung bei Unternehmen, die 2025 nicht investiert haben, sind laut der Umfrage:

  • das gesamtwirtschaftliche Umfeld 
  • hohen Kosten für Energie
  • hohen Kosten für Material
  • hohen Kosten für Löhne

Unternehmen verzeichnen Nachfragerückgänge

Zudem verzeichneten 46 Prozent der Unternehmen in den vorangegangen zwölf Monaten Nachfragerückgänge, so die Umfrage. Nur 20 Prozent berichteten über Zuwächse. Die Betriebe sind also wirtschaftlich in schwierigem Fahrwasser und auch für die kommenden zwölf Monate zeichnet sich laut der Umfrage keine Wende ab: 40 Prozent erwarten weitere Einbußen bei der Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen. Dabei schauen größere Unternehmen optimistischer in die Zukunft als Kleinstunternehmen.

Zugang zu Finanzierungen erschwert

Bei den Unternehmen hakt es aber insbesondere beim Zugang zu Finanzierungen. Die Unternehmensbefragung 2026 zeige, dass „sich das Finanzierungsklima im Vergleich zur Vorerhebung 2024 noch weiter eingetrübt hat“, erklärte KfW Research. Der Anteil der Unternehmen, die die Aufnahme eines Kredits als leicht einschätzten, lag bei nur 24 Prozent – das sind acht Prozentpunkte weniger als 2024. Etwa 26 Prozent schätzten die Aufnahme eines Kredits als schwierig ein. Je kleiner die befragten Unternehmen waren, umso schwieriger gestaltete es sich für sie, eine Finanzierung zu bekommen.


"Unsere Unternehmen wissen sehr genau, wo sie investieren müssen – in Digitalisierung, Dekarbonisierung, Innovation."

Stefan Wintels, Vorstandsvorsitzender der KfW


Eigenkapitalquote der Unternehmen sinkt

Auch die Kapitalstruktur der Unternehmen ändert sich im Zuge der anhaltenden konjunkturellen Schwäche. Rund 31 Prozent der Unternehmen meldete im Frühjahr 2026, dass ihre Eigenkapitalquote in den zurückliegenden zwölf Monate gesunken ist. Nur 23 Prozent berichteten über eine Verbesserung. „Die Zahlen zeigen: Deutschland steht vor einer großen Investitionsaufgabe – staatlich wie privat. Unsere Unternehmen wissen dabei sehr genau, wo sie investieren müssen – in Digitalisierung, Dekarbonisierung, Innovation. Doch zu viele Projekte bleiben seit Jahren in der Warteschleife“, sagt Stefan Wintels, Vorstandsvorsitzender der KfW.

Bürokratieabbau und qualifizierte Einwanderung

Stefan Wintels empfiehlt auch, was nun zu tun wäre: „Wenn wir Bürokratie abbauen, Planungssicherheit stärken, qualifizierte Einwanderung ermöglichen und Finanzierung verlässlich verfügbar machen, kann sich diese Zurückhaltung schnell in eine neue Dynamik verwandeln“.


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