Mercedes-Benz Trucks setzt in der eigenen Lieferkette auf E-Lkw. Die vier Produktionsstandorte Gaggenau, Kassel, Mannheim und Wörth am Rhein wollen laut Unternehmensangaben den Anlieferverkehr mit Produktionsmaterial in eigener Frachtverantwortung in den kommenden Jahren vollständig elektrifizieren. Auf rund 30 Prozent der Inbound-Routen zum Montagewerk Wörth am Rhein setze man batterieelektrische Lkw ein.
Anlieferverkehr mit Elektro-Lkw zuverlässig darstellbar
Im Produktionsnetzwerk von Mercedes-Benz Trucks sind derzeit circa 80 batterieelektrische Mercedes-Benz eActros der ersten und zweiten Modellgeneration im Einsatz – davon überwiegend eActros 600. Eine begleitende Datenerhebung zwischen November 2025 und März 2026 umfasst über 3000 analysierte Touren und 3100 Ladevorgänge anhand einer Auswertung der Telemetriedaten von mehr als 15 Fahrzeugen. Das Ergebnis zeige, dass der batterieelektrische Anlieferverkehr heute im regulären Serienbetrieb zuverlässig umsetzbar ist.
Über 4000 Euro Mautersparnis monatlich
Mercedes-Benz Trucks verweist unter anderem auf das Praxisbeispiel der Ulmer Spedition Seifert, die auf einer Route zwischen Wörth am Rhein und Bielefeld unterwegs ist. Ein eActros 600 mit durchschnittlich 36 Tonnen Gesamtzuggewicht bewältige eine Tagesfahrleistung von rund 600 Kilometern, wobei etwa die Hälfte der Ladevorgänge an öffentlichen Ladepunkten erfolgt. Der E-Lkw erziele auf dieser Strecke zudem über 4000 Euro Mautersparnis pro Monat. Der durchschnittliche Verbrauch liegt laut Mercedes-Benz zwischen November und Februar bei 100 kWh/100 km – entsprechend etwa elf Litern Dieseläquivalent. „Bereits mit der heute verfügbaren öffentlichen Ladeinfrastruktur auf dieser Route lassen sich anspruchsvolle Langstrecken zuverlässig und planbar abbilden, und auch unter Berücksichtigung der Gesamtbetriebskosten wirtschaftlich betreiben“, so das Fazit von Mercedes-Benz.
Der Vergleich zum Diesel-Lkw
Besonders deutlich zeige sich die Wirtschaftlichkeit des E-Lkw im Pendelverkehr. Auf der Strecke von Germersheim nach Wörth am Rhein fährt ein E-Lkw von Logistik Schmitt mit Sitz im badischen Bietigheim täglich acht Mal insgesamt 352 Kilometer mit einem Gesamtgewicht von durchschnittlich 30 Tonnen. Auf dieser Strecke lag der Fahrverbrauch im Durchschnitt bei 114 kWh/100 km. Dies entspricht etwa zwölf Litern Dieseläquivalent für einen Diesel-Lkw. Das Laden der Batterie erfolge „vollständig während der Be- und Entladezeiten“, wodurch keine zusätzliche Standzeit entstehe. Die monatliche Mautersparnis betrage „über 2300 Euro, und drei E-Lkw vom Typ Mercedes-Benz eActros konnten die bisher eingesetzten Diesel-Lkw ersetzen“. Insbesondere bei Strecken mit hohem Mautanteil und bei Nutzung von günstigem Werkstrom zeigten sich die Vorteile des Elektro-Lkw, so das Fazit von Mercedes-Benz.
Die Bedeutung der Ladeinfrastruktur
Für den erfolgreichen Einsatz von E-Lkw ist laut Mercedes-Benz Trucks „eine flächendeckende Ladeinfrastruktur unerlässlich“. Man habe hier drei parallel wachsende Schwerpunkte in Bezug auf die Lademöglichkeiten identifiziert:
- Das Werk- und Depotladen, bei dem große Verlader eigene Ladepunkte in ihren Logistikketten schaffen.
- Ein weiterer Ansatz ist das „Semi-Public Charging“, bei dem Speditionen eine teilweise öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur aufbauen, die sie Partnern zur Verfügung stellen oder im Gegenzug selbst mitnutzen.
- Den dritten Schwerpunkt betrifft das öffentliche Laden mit Anbietern wie Milence – dem Joint Venture von Daimler Truck, Traton und Volvo.
Mit der existierenden Infrastruktur sind laut Mercedes-Benz Trucks „viele reale Transportanwendungen bereits zuverlässig darstellbar“. Um aber die Transformation im Straßengüterverkehr zu beschleunigen, müsse „das öffentliche Ladenetz weiter deutlich ausgebaut werden“.