Kopenhagen/Stockholm. Der Schwede Leif Östling (66) hat sich beim heimischen Lastwagenhersteller Scania über 40 Jahre vom Praktikant zum Konzernchef hochgearbeitet und ist nun zum LKW-Chef beim Weltkonzern VW berufen. Ein erstaunlicher Karriereschritt für den 66-Jährigen, der in den letzten Jahren Stehvermögen beweisen musste.
2006 wollte ihm sein Landsmann und Ex-Scania-Kollege Håkan Samuelsson als Chef des Münchner Konkurrenten MAN mit einem feindlichen Übernahmeversuch den Garaus machen. Östling mobilisierte mit Geschick, glänzenden Konzernzahlen und scharfer Rhetorik erfolgreich den Widerstand der heimischen Scania-Aktionäre. Als im Gefolge Volkswagen seine Anteile bei Scania erhöhte und mit MAN von Wolfsburg aus zusammenführen wollte, schien Östlings Zeit dann abgelaufen. Denn der Unternehmens-Chef hatte lange und laut die Vorzüge einer eigenständigen Marke Scania gepriesen.
Aber der „begeisterte Naturfreund, passionierte Jäger und leidenschaftliche Autofahrer“ (so ein Scania-Sprecher) arrangierte sich mit den neuen deutschen Mehrheitseignern. Sein Vertrag als Konzernchef wurde 2011 überraschend bis 2015 verlängert.
Als ein Haupthindernis bei der LKW-Allianz galt bislang das schwierige Klima zwischen Scania und MAN. Östling als neuer LKW-Chef soll die Allianz nun neu beleben. „Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie wir Synergien heben wollen“, sagte VW-Chef Martin Winterkorn. Der VW-Chef räumte ein, dass Östling als Scania-Chef eine enge Zusammenarbeit mit MAN eher skeptisch beurteilt habe. Dies habe sich aber geändert.
In einem Zeitungsinterview Ende 2009 äußerte sich Östling noch skeptisch zu den Vorteilen eines möglichen Bündnisses: „Bei einer Fusion von MAN und Scania ist es derzeit unrealistisch, Synergien von einer Milliarde Euro oder gar nur 500 Millionen Euro zu erreichen“, sagte Östling. Nun muss er beweisen, dass er aus der LKW-Allianz trotzdem Vorteile für die Konzernmutter VW herausholen kann. (dpa/diwi)