Für kleine Transport- und Dienstleistungsunternehmen kann bereits ein einzelner Unfall erhebliche Folgen haben. Fällt ein Fahrzeug aus, geraten Tourenpläne, Liefertermine und betriebliche Abläufe schnell unter Druck. Eine aktuelle Befragung von mehr als 1.800 Flottenmanagern in Europa zeigt, dass viele Unternehmen deshalb verstärkt auf Telematik- und Videotechnologien setzen, um Risiken frühzeitig zu erkennen und die Sicherheit im Fuhrpark zu erhöhen.
Besonders für kleinere Flotten ist die Bedeutung jedes einzelnen Fahrzeugs hoch. Entsprechend wirken sich Unfälle, Diebstähle oder längere Standzeiten oft deutlich stärker aus als bei großen Fuhrparks.
Telematik soll Risiken frühzeitig erkennen
Nach Einschätzung der Studienautoren verlagert sich das Flottenmanagement zunehmend von einer reaktiven hin zu einer vorausschauenden Sicherheitsstrategie. Moderne Telematiksysteme erfassen beispielsweise starkes Bremsen, abruptes Beschleunigen oder zu geringen Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und machen solche Muster sichtbar, bevor sie zu Unfällen führen.
Durch die Auswertung dieser Daten können Flottenverantwortliche potenzielle Risiken gezielter identifizieren und Gegenmaßnahmen einleiten. In Kombination mit kamerabasierten Systemen lassen sich zudem die Ursachen kritischer Situationen besser nachvollziehen.
Laut Studie kämpfen 67 Prozent der befragten kleinen Unternehmen in Deutschland mit dem Thema Fahrermüdigkeit. Unternehmen, die Videotechnologie einsetzen, berichten von deutlichen Verbesserungen bei der Erkennung entsprechender Risiken und von sinkenden Unfallzahlen.
Kameratechnik unterstützt Fahrer und Unternehmen
Videolösungen im Fahrzeug gewinnen nach Angaben der Studienautoren ebenfalls an Bedeutung. Rund 80 Prozent der befragten deutschen Flotten bewerten entsprechende Systeme als sehr hilfreich oder äußerst hilfreich.
Die Kameras sollen nicht nur sicherheitskritische Situationen dokumentieren, sondern auch bei der Aufklärung von Vorfällen unterstützen. Zudem können sie Fahrer vor unberechtigten Vorwürfen schützen und als Grundlage für Schulungen dienen.
Als vergleichsweise akzeptierte Variante gelten nach außen gerichtete Kameras, da sie Verkehrsgeschehen, mögliche Diebstahlversuche oder Schäden an der Ladung dokumentieren können, ohne Aufnahmen innerhalb der Fahrerkabine zu erstellen.
GPS-Ortung hilft gegen Fahrzeug- und Ladungsdiebstahl
Ein weiteres Handlungsfeld ist der Schutz vor Diebstahl. Gestohlene Fahrzeuge oder verschwundene Ladungen verursachen nicht nur direkte Kosten, sondern können auch Lieferketten unterbrechen und Kundenbeziehungen belasten.
Der Studie zufolge konnten 57 Prozent der befragten kleineren Unternehmen in Deutschland gestohlene Fahrzeuge mithilfe von Ortungstechnologie wiederauffinden. Zudem berichten Unternehmen von einer sinkenden Zahl unbefugter Fahrzeugnutzungen außerhalb der Arbeitszeit.
Gerade bei Nutzfahrzeugen und wertvollen Transportgütern gewinnt die lückenlose Ortung von Fahrzeugen und Anhängern daher zunehmend an Bedeutung.
Datenbasiertes Fahrer-Coaching gewinnt an Bedeutung
Auch im Fahrertraining sehen viele Unternehmen Vorteile digitaler Systeme. Telematikdaten und Videoaufzeichnungen ermöglichen es, konkrete Situationen objektiv auszuwerten und gemeinsam mit den Fahrern zu besprechen.
Dadurch soll sich vermeiden lassen, dass Feedback als subjektiv oder ungerecht wahrgenommen wird. Gleichzeitig können riskante Verhaltensweisen früh erkannt und korrigiert werden.
Nach Angaben der Studie verzeichnen viele Flotten, die Videotechnologie für aktives Fahrer-Coaching einsetzen, einen deutlichen Rückgang von Geschwindigkeitsüberschreitungen. Ergänzt wird dieser Ansatz häufig durch Anreizsysteme und Programme zur Förderung einer langfristigen Sicherheitskultur im Unternehmen.
Datenschutz und transparente Kommunikation bleiben dabei zentrale Voraussetzungen. Unternehmen sollten klar erläutern, welche Daten erfasst werden und welchem Zweck die Systeme dienen. Ziel sei nicht die Überwachung von Mitarbeitern, sondern die Verbesserung von Sicherheit, Fahrzeugschutz und Betriebsabläufen.