Arbeitsplätze in Gefahr: Kritik an MAN-Strategie in Salzgitter

26.01.2026 10:21 Uhr | Lesezeit: 3 min
Über Schulter von Bewerber sieht man zwei aufmerksame Geschäftsleute, die dem Kandidaten beim Vorstellungsgespräch zuhören
Die IG Metall sieht die industrielle Perspektive des MAN-Standorts Salzgitter durch den Sparkurs des Unternehmens gefährdet
© Foto: fizkes/GettyImages

Ein Zukunftskonzept der Beschäftigten stößt bei MAN in Salzgitter auf Widerstand – die Verhandlungen sind gescheitert.

Die IG Metall und der Betriebsrat am MAN-Standort Salzgitter haben ein eigenes Zukunftskonzept für das Werk vorgestellt und üben deutliche Kritik am Kurs des Arbeitgebers. Nach Einschätzung der Gewerkschaft gefährde MAN die industrielle Zukunft des Standorts, obwohl sich das Unternehmen aktuell in einer stabilen wirtschaftlichen Lage befinde. Vorschläge aus der Belegschaft würden bislang nicht ernsthaft berücksichtigt.

Besonders kritisch bewerten die Arbeitnehmervertreter die Personalplanung. Nach einem der vorliegenden Szenarien könnte die Zahl der Beschäftigten von derzeit rund 2.161 bis zum Jahr 2032 auf unter 852 sinken.

Dreistufiges Zukunftskonzept der IG Metall

Auf Nachfrage erläuterte die IG Metall, dass sich das vorgelegte Zukunftskonzept aus drei Bausteinen zusammensetze:
erstens konkrete Maßnahmen zur Weiterentwicklung und Zukunftssicherung der Achse, zweitens bereits durchgerechnete Projekte im Umfeld der Kreislaufwirtschaft sowie drittens strategische Weiterentwicklungen im Bereich von E-Komponenten.


Geplanter Stellenabbau bei MAN

Bereits im November des vergangenen Jahres hatte der zu Volkswagen gehörende Nutzfahrzeughersteller angekündigt, innerhalb von zehn Jahren 2.300 Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen. Davon sollen 600 Stellen in Salzgitter entfallen.

Vor wenigen Tagen kam es zu einer grundsätzlichen Einigung zwischen MAN und der Arbeitnehmerseite: Bis Ende 2030 will das Unternehmen knapp eine Milliarde Euro in die deutschen Standorte investieren. Zudem wurde eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2035 vereinbart, die – abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung – bis 2040 verlängert werden kann.



Keine Einigung für den Standort Salzgitter

Diese Vereinbarung gilt jedoch nicht für den Standort Salzgitter. Wie aus Verhandlungskreisen zu hören ist, fand am Freitag ein Spitzengespräch zwischen Unternehmens- und Arbeitnehmervertretern statt. Dabei hätten die gleichen Zusagen wie für die übrigen deutschen Standorte auf dem Tisch gelegen, diese seien der Arbeitnehmerseite jedoch nicht ausreichend gewesen.

„Es wurden immer wieder neue Forderungen erhoben, dabei wurden rote Linien überschritten“, heißt es aus Verhandlungskreisen. Die zuletzt öffentlich formulierten Forderungen seien bereits erfüllt gewesen. Dennoch sei weiter nachverhandelt worden – zum Nachteil aller Beschäftigten. Die Gespräche seien schließlich endgültig abgebrochen worden.

Nach Einschätzung aus dem Umfeld der Verhandlungen droht dem Werk Salzgitter nun der Umbau zu einem reinen Logistikstandort und perspektivisch der vollständige Abzug der Produktion in den kommenden Jahren.


Lenk- und Ruhezeiten im VR-Blog thematisiert

In unserem VR-Blog für Lenk- und Ruhezeiten beschäftigt sich Olaf Horwarth, Mitglied im Tachographenforum der EU-Kommission, mit Fragestellungen und Rechtsangelegenheiten rund um die wichtigen Richtlinien der Lenk- und Ruhezeiten im Straßengüterverkehr. Der Zugang zu unseren Blogs ist für Abonnenten kostenfrei. Ein unverbindliches, zwei-monatiges Kennlern-Abo können Sie gerne hier abschließen. 

Ihre Fragen und Anregungen können Sie gerne an leru@tecvia.com oder direkt an unsere Rechtsredakteurin Marie Christin Wiens schicken.


HASHTAG


#MAN Truck & Bus

MEISTGELESEN


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!

WEITERLESEN



NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.