Der europäische Markt für Logistikimmobilien zeigt sich trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten robust. Unternehmen suchen weiterhin nach Lager- und Logistikflächen, richten ihren Fokus jedoch zunehmend auf moderne und leistungsfähige Objekte. Zu diesem Ergebnis kommt die „European Logistics Survey 2026“ von Savills und BGRE.
Demnach bleibt die Stimmung in der Branche überwiegend positiv. Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen berichtet von verbesserten Geschäftsbedingungen im vergangenen Jahr. Gleichzeitig planen viele Nutzer Veränderungen in ihren Immobilienportfolios. Während 47 Prozent ihre Flächen in den kommenden Jahren ausbauen wollen, rechnen 54 Prozent damit, mindestens einen Standort aufzugeben oder zu verlagern.
Die Studie zeigt, dass die Nachfrage nach Logistikflächen zwar stabil bleibt, Unternehmen bei Standortentscheidungen jedoch deutlich selektiver vorgehen. Viele Nutzer nutzen anstehende Vertragsverlängerungen, um ihre Immobilienportfolios zu optimieren und auf leistungsfähigere Standorte umzusteigen.
Fast die Hälfte der befragten Unternehmen bevorzugt Neubauten oder speziell auf ihre Anforderungen zugeschnittene Flächen. Lediglich 19 Prozent ziehen bestehende Bestandsflächen ohne größere Anpassungen in Betracht.
Damit setzt sich der Trend zur sogenannten „Flucht in die Qualität“ fort. Entscheidend sind dabei nicht mehr allein Größe und Lage einer Immobilie, sondern zunehmend technische und betriebliche Eigenschaften.
Eine der wichtigsten Anforderungen ist die Verfügbarkeit von Energie. Laut Umfrage erwarten 89 Prozent der Nutzer einen steigenden Strombedarf. Mehr als ein Viertel berichtet bereits heute über unzureichende Stromkapazitäten in bestehenden Gebäuden.
Mit der zunehmenden Automatisierung von Lagerprozessen, dem Einsatz moderner Fördertechnik sowie dem Ausbau von Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge gewinnt die Energieversorgung als Auswahlkriterium deutlich an Bedeutung.
Neben der Stromverfügbarkeit spielen auch Faktoren wie Gebäudeausstattung, Arbeitskräfteverfügbarkeit und die Anpassungsfähigkeit der Immobilie eine immer größere Rolle.
Bei der Bewertung attraktiver Logistikstandorte zählt Deutschland sowohl aus Sicht von Investoren als auch von Nutzern weiterhin zu den bevorzugten Märkten Europas.
Während Investoren insbesondere Großbritannien, Spanien und Deutschland favorisieren, nennen Nutzer neben Deutschland vor allem Frankreich, Italien, die Niederlande und Spanien als wichtige Standorte für ihre Logistikaktivitäten.
Die Autoren der Studie sehen weiterhin tragfähige strukturelle Treiber für den Markt. Dazu zählen die Absicherung von Lieferketten, Nearshoring-Strategien sowie der Bedarf an effizienteren Distributions- und Logistiknetzwerken.
Diese Faktoren sorgen dafür, dass die Flächennachfrage auch in einem anspruchsvolleren wirtschaftlichen Umfeld vergleichsweise stabil bleibt. Allerdings dauern Entscheidungsprozesse nach Einschätzung der Marktteilnehmer länger als noch vor einigen Jahren.
Gleichzeitig zeichnet sich ein wachsendes Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage ab. Besonders gefragt sind hochmoderne und häufig großflächige Logistikimmobilien. Viele Projektentwickler konzentrieren sich jedoch zunehmend auf kleinere und mittelgroße Vorhaben.
Als Gründe werden steigende Baukosten, begrenzte Stromanschlüsse sowie Herausforderungen bei Genehmigungs- und Planungsverfahren genannt.
Für Logistikunternehmen bedeutet dies, dass hochwertige Immobilien in attraktiven Lagen künftig noch stärker umkämpft sein könnten. Moderne Gebäude mit hoher Energieverfügbarkeit, guter Verkehrsanbindung und flexibler Nutzbarkeit dürften daher weiterhin die höchste Nachfrage auf sich ziehen.