Riskantes Klima: Finanzielle Verluste vermeiden
EU-Taxonomie, CSRD-Reporting, Förderantrag, Nachweis für Investoren: Die Gründe, warum man eine möglichst präzise Einschätzung der Klimarisiken für sein Unternehmen und seine Flotte benötigt, sind vielfältig. Abhilfe schafft TÜV SÜD mit seiner Klimarisikobewertung.
Wind und Wetter können Pläne durchkreuzen. Das gilt nicht nur für den Wochenendausflug, sondern auch und in noch viel beträchtlicherem Ausmaß für den Unternehmenserfolg. Denn der Klimawandel und seine Auswirkungen, etwa in Form von häufigerem Starkregen, Hagel oder orkanartigen Stürmen, können für massive Risiken respektive Schäden sorgen. Diese sollten daher bereits beim Neubau von Gebäuden berücksichtigt werden. Aber auch bei bestehenden Assets wie Lager-, Werkstatthallen und Fahrzeugflotten lohnt es sich, künftige klimatische Einflüsse durch entsprechende Maßnahmen zu berücksichtigen, um finanzielle Verluste möglichst gering zu halten. TÜV SÜD bietet daher den Service der Klimarisikoanalyse an. „Wir haben dafür unsere Methodik für technische Risikoanalysen auf die Klimarisikoanalyse übertragen“, berichtet Dr. Ulrich Jenssen, der seit sechs Jahren bei TÜV SÜD arbeitet und seit knapp zwei Jahren die Abteilung für Sicherheits- und Risikomanagement leitet.
Analyse mit Mehrfachnutzen
Die Grundlage für die Risikoanalysen ist die EU-Taxonomie. „Wenn Geschäftsaktivitäten unter die EU-Taxonomie-Verordnung fallen, müssen Unternehmen mindestens eines der dort definierten sechs Klimaziele erfüllen und dürfen die anderen nicht verletzen“, erklärt Maximilian Dinkel, der seit knapp drei Jahren bei TÜV SÜD ist und im Team von Jenssen arbeitet. Auch der Verkehrssektor fällt unter die EU-Taxonomie-Verordnung, daher ist die Analyse für Geschäftstätigkeiten in Transport, Verkehr und Logistik relevant. Im Zuge dessen müssen Unternehmen unter anderem eine Klimarisikoanalyse vorlegen. „Der Nachweis, dass nachhaltige Ziele berücksichtigt werden, ist zudem Voraussetzung für einige Förderprogramme”, zählt Jenssen eine weitere Motivation auf – und auch bei der CSRD-Berichterstattung sowie im DGNB-Standard für nachhaltiges Bauen wird eine Klimarisikoanalyse gefordert.
Bis zu fünf Leute aus zwei Abteilungen kümmern sich im Moment bei TÜV SÜD um die Klimarisikoanalysen. Seit dem Start des neuen Services wurden bereits mehr als 50 Projekte realisiert. „Im ersten Schritt betrachten wir den Standort, die dortigen Klimadaten und welche Einflüsse für das jeweilige Asset relevant sind“, erklärt Dinkel das Vorgehen.
Die verwendeten Klimadaten stammen aus einer renommierten Datenquelle gemäß den Vorgaben des Weltklimarates, die Prognosen bis zum Jahr 2100 erlauben. „Auf dieser Basis schätzen wir die Eintrittswahrscheinlichkeit und die Auswirkungen für jede einzelne Klimagefahr anhand vier vordefinierter Kategorien von vernachlässigbar bis hoch ein“, fährt Dinkel fort. „Am Ende steht ein konkreter Risikowert.“ Auch wenn es wie ein Blick in die Glaskugel anmutet, betonen Jenssen und Dinkel die hohe Qualität der Daten: „Bereits eingetretene Katastrophen wie ein abgegangener Küstenvorsprung in Sizilien konnten wir beispielsweise mit unseren Berechnungen nachvollziehen.“
Empfehlungen inklusive
Was die Klimarisikoanalyse von TÜV SÜD besonders wertvoll macht, ist die Kombination aus Klima- und technischer Expertise. „In unseren Bericht schlagen wir konkrete Maßnahmen vor, um Klimarisiken vorzubeugen und Schäden abzuwenden. Dazu zählen etwa Dammbauwerke, Abpumpsysteme oder die Anpassung von Entwässerungssystemen, wenn Transportfirmen mit großen versiegelten Flächen an ihrem Standort perspektivisch mit vermehrten Sturzfluten zu rechnen haben“, zählt Jenssen auf. Neben Starkregen und Überflutung zählt Jenssen vor allem Hitze, Hagel, Blitzschlag und Wind zu den Top-Klimagefahren hierzulande. Daneben gebe es standortspezifische Sonderrisiken wie Erdrutsch, Küstenerosion oder Meeresspiegelanstieg. Hitze in Deutschland? „Auch wenn wir keine Temperaturen wie in Australien erreichen werden: Es wird eine dramatische Veränderung geben, die Unternehmen bei ihren Planungen im Blick haben müssen“, sagt Dinkel.
Unter anderem Betreiber von Parkhäusern, Stadtwerke oder Logistikkonzerne mit mehreren Standorten haben bereits bei TÜV SÜD eine Klimarisikoanalyse bestellt. Dabei müsse man nicht jeden einzelnen Standort bewerten lassen, ergänzt Dinkel: „Einen Standort, an dem 90 Prozent der Beschäftigten sitzen, sollte man auf jeden Fall analysieren. Bei einem Ausfall eines anderen Standorts mit nur zwei Leuten, die auch im Homeoffice arbeiten können, ist das Risiko weniger relevant.“
Mit dem umfangreichen Bericht will sich TÜV SÜD vom Wettbewerb absetzen, der oft nur grobe Risikoeinstufungen bietet. „In unserem Bericht beschreiben wir nachvollziehbar und transparent, wie die Klimarisiken ermittelt wurden. Zudem geben wir unseren Kunden konkrete Prognosedaten und Handlungsempfehlungen für die weitere Maßnahmenplanung mit an die Hand“, betont Jenssen. Empfehlungen, die sich auszahlen können.
Den Erfolg ihrer Arbeit sehen die Analysten vor allem darin, dass Kunden für bestehende Risiken sensibilisiert werden und diese in die Planung oder Ertüchtigung ihrer Assets aufnehmen. „Wenn uns das gelingt, dann kommen die Kunden auch wieder“, sagt Dinkel.
TÜV SÜD wird die Klimarisikoanalyse weiter ausbauen: „Neben den physischen Klimagefahren gibt es transitorische Klimagefahren, wenn sich die Regulatorik bezüglich des Klimaschutzes ändert”, erläutert Jenssen. Auch das kann wirtschaftliche Risiken bedeuten. Ein Beispiel: Steigt der CO2-Preis für fossile Emissionen, steigen dadurch die Kosten für die Transportbranche. „In diesem Fall ist das eine Gefahr durch politische Vorgaben, die sich wegen des Klimawandels ändern und nicht durch den Klimawandel selbst“, so Jenssen. Daher hat TÜV SÜD die Bewertung der Standortgefahren mit der Bewertung des Geschäftsmodells eines Kunden kombiniert: Wie hoch sind die Übergangsrisiken? „Oder auch die Chancen“, ergänzt Jenssen. „Ein geänderter CO2-Preis kann für Elektro-Flotten mit eigenem Solarpark auch einen Vorteil bedeuten.“ Die Zukunft bleibt unsicher. Gut, wenn es Spezialisten gibt, die mit Wahrscheinlichkeiten rechnen können .
TÜV SÜD Ansprechpartner
TÜV SÜD Industrie Service GmbH
Dr.-Ing. Ulrich Jenssen
Abteilungsleiter Sicherheits- und Risikomanagement
Energie und Systeme
Tel.: +49 89 5791-2255
E-Mail: ulrich.jenssen@tuvsud.com