UNECE-Arbeitsgruppe: Globale Basisarbeit

Symbolbild viele Menschen arbeiten zusammen
Auf internationaler Ebene entstehen künftige Technik-Regularien für Hersteller und Prüforganisationen.
© Foto: Adobestock.com/InfiniteFlow

In einem weltweiten Verband entwirft der Arbeitskreis zur UNECE derzeit die GTR-25 – eine der Grundlagen für Euro 7 bei Lkw, die im Mai 2028 in Kraft tritt. Pascal Mast von TÜV SÜD bringt die Ergebnisse der letzten Sitzung mit: Was steht schon fest, was wird diskutiert?

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Datum:
20.04.2026
Lesezeit:
4 min



Schon seit 2012 tagt die weltweite UNECE-Arbeitsgruppe „Electric Vehicles and the Environment“ etwa zweimal im Jahr bei hybriden Treffen, zudem finden spätestens alle zwei Monate Online-Meetings statt. Ende Februar stand das 94. Treffen statt – dieses Mal im kanadischen Ottawa. Rund 60 Teilnehmer waren vor Ort und online dabei, zudem ein Vertreter der EU-Kommission. Als Vertreter der CITA (International Motor Vehicle Inspection Committee) – der weltweiten Organisation der Prüforganisationen – reiste Pascal Mast, Direktor Neue Technologien und Nachhaltigkeit bei TÜV SÜD, an.

Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich derzeit mit den Grundlagen für die kommende Euro 7, der Schwerpunkt in Kanada lag damit unter anderem auf der weltweit gültigen UN GTR-22 und UN GTR-25. „Die UN GTR-22, die zuerst in Kraft tritt, betrifft Pkw“, berichtet Mast von der Agenda des Meetings. „Nun muss die Richtlinie für Lkw ausgeweitet werden.“ Denn fest steht: Im Mai 2028 wird Euro 7 für neue Lkw- und Bus-Typen in Kraft treten, ab Mai 2029 gilt sie dann für alle neuen Zulassungen. Einiges kann und soll vom Pkw-Pendant übernommen werden, was etwa Begrifflichkeiten oder Prozesse angeht – alleine, um den Aufwand für alle Seiten so gering wie möglich zu halten, anderes muss aber auf die Lkw-Spezifika angepasst werden.

Anforderungen in Diskussion

Das Meeting dauerte zwei Tage. Ein wichtiges Ergebnis: Die Grenzwerte im Pkw-Bereich (GTR-22) für die Batteriehaltbarkeit sind nun endgültig verabschiedet worden: 80 Prozent nach fünf Jahren/100.000 Kilometern und 72 Prozent nach zehn Jahren/160.000 Kilometern müssen die Pkw-Batterien künftig demnach noch von ihrer ursprünglichen Leistung (SOCE = State of Certified Energy) aufweisen.

Für den Lkw- und Bus-Bereich heißt das, dass eine Matrix zu Mindestanforderungen formuliert wird, aus Laufleistung und Energiedurchsatz. Die diskutierten Mindestwerte reichen von sechs Jahren oder 150.000 Kilometern und70 Prozent bis zu 15 Jahren oder 875.000 Kilometern und 50 Prozent in Bezug auf die virtuelle Distanz.

Außerdem hat beispielsweise China einen Aspekt zum Thema Energiedurchsatz eingebracht. Denn der Energieverbrauch hat einen wesentlichen Einfluss auf die Laufleistung der Batterie – unterscheidet sich aber deutlich zwischen Lkw und Pkw. „Im Lkw werden etwa auch Aufbauten im Stand vom Batteriestrom gespeist“, konkretisiert Mast. „Man hat also teils Energieumsatz, aber keine Laufleistung.“ Auf Basis dieses Beitrags diskutierte die Arbeitsgruppe: Wie kann man sich nicht nur auf Kilometer beziehen, sondern auch auf die Gesamtenergie? Die Lösung wird nun in der nächsten Zeit erarbeitet und schließlich ebenfalls in der UN GTR-25 festgehalten.

Effiziente Typprüfung

Außerdem hat Japan einen bereits existierenden Textvorschlag zur Fahrzeugauswahl bei der Typprüfung kommentiert. Denn um den Aufwand an Typprüfungen zu reduzieren, ist es üblich, Fahrzeugfamilien zu bilden, beispielsweise gemäß Dimensionen, Länge oder Gewicht. „Japan hält fest, dass der maßgebliche zertifizierte Referenzwert nur für die jeweiligen Fahrzeuggruppen zu bestimmen ist“, erklärt Mast. „Ein guter Vorschlag: Wir als Prüfer sind daran interessiert, alles ordentlich durchzuführen – aber auch praktikabel und effizient.“

Nicht nur Reichweite und Typprüfungen sind wichtige Parameter mit Blick auf die E-Lkw-Zukunft, sondern auch die Ladegeschwindigkeit. „Die Arbeitsgruppe Fast and Smart Charging Cluster hat ihre Ergebnisse ebenfalls vorgestellt“, so Mast. Denn es gilt, Parameter fürs Schnellladen festzulegen, sodass Angaben wie „X Prozent Ladung in X Minuten“ verlässlich sind. „Spediteure können sich damit auf die Ladeperformance verlassen und zudem unterschiedliche Zugmaschinen verschiedener Marken miteinander vergleichen“, urteilt Mast.

Symboldbild Lkw
E-Lkw gibt es bereits und sollen noch stärker kommen. Da braucht es Standards.
© Foto: Adobestock.com/sh99

Detailarbeit für Transparenz

Und so wurde in Ottawa Zeile für Zeile des aktuellen Entwurfs diskutiert: Gibt es ein gemeinsames Verständnis? Gibt es Rückfragen oder Änderungen? Teils wurde ergänzt, ersetzt oder auch neu formuliert. Im Nachgang wird weiter diskutiert, bis für das nächste Meeting ein neuer Entwurf entsteht – und Passage für Passage im Idealfall dann final fixiert wird. „Das ist ein sehr aufwendiger Prozess, immer mal wieder geht es auch stellenweise wieder zurück auf Los“, so Mast. Ist eine UN GTR erst mal in Kraft getreten, nehmen viele europäische Länder diese in genau dieser Form an und setzen sie in nationales Recht um. In Europa wird daraus die bindende Euro 7. Es bleibt aber jedem Mitgliedsstaat frei, Abweichungen vorzunehmen.

Mast befürwortet die internationale Gremienarbeit: „Während Stärken und Schwächen bei Diesel-Pkw und -Lkw schon lange bekannt sind, braucht es für die kommenden E-Antriebe in Bussen und Lkw verlässliche und vergleichbare Standards, um das Vertrauen in die Technologie zu stärken. Die Daten zeigen: Die Batterien sind gut, es gibt Anforderungen, die der Hersteller einhalten muss.“ Perspektivisch hofft Mast, dass diese Informationen digital und verifiziert zur Verfügung stehen. „Im Idealfall sieht man dann auch beim Kauf eines gebrauchten E-Pkw und E-Lkw genau, wo die Leistung der Batterie aktuell steht.“


TÜV SÜD Ansprechpartner

TÜV SÜD Division Mobility
Pascal Mast
Direktor Neue Technologien und Nachhaltigkeit
E-Mail: pascal.mast@tuvsud.com




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