Umfrage: Geopolitische Unsicherheit belastet Unternehmen

27.04.2026 13:42 Uhr | Lesezeit: 3 min
Studie: Firmen fühlen sich auf Krisen schlecht vorbereitet
Studie: Firmen fühlen sich auf Krisen schlecht vorbereitet (Symbolbild)
© Foto: Andrey Popov/ AdobeStock

Geopolitische Spannungen verschlechtern laut Atradius die Planbarkeit deutscher Unternehmen. Viele Betriebe reagieren mit Preisstrategien.

Geopolitische Krisen und internationale Spannungen beeinträchtigen zunehmend die strategische Planbarkeit deutscher Unternehmen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Kreditversicherers Atradius. Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe (55 Prozent) berichtet, dass sich die wirtschaftliche Planungssicherheit in den vergangenen zwölf Monaten spürbar verschlechtert hat.

Nach Einschätzung von Atradius sind geopolitische Risiken längst kein abstraktes Szenario mehr. Sie wirken sich unmittelbar auf Investitionsentscheidungen, Lieferketten und Preisstrategien aus – insbesondere bei Unternehmen mit international verflochtenen Geschäftsbeziehungen.

Breite Wahrnehmung geopolitischer Risiken

Insgesamt sehen 87 Prozent der befragten Unternehmen geopolitische Spannungen als relevanten Einflussfaktor für ihr Geschäft. 36 Prozent geben an, dass diese Entwicklungen ihre Entscheidungen stark oder eher stark beeinflussen. Weitere 50 Prozent erkennen zumindest teilweise Auswirkungen.

Trotz dieser breiten Wahrnehmung fühlt sich ein großer Teil der Unternehmen nur eingeschränkt vorbereitet. Rund die Hälfte der Befragten bewertet die eigene Vorbereitung auf geopolitische Krisen als kritisch. Lediglich 43 Prozent sehen ihr Unternehmen als gut oder sehr gut aufgestellt.

Geringe Einschätzung der eigenen Resilienz

Entsprechend verhalten fällt auch die Einschätzung der Widerstandsfähigkeit aus. Die gesamtwirtschaftliche Resilienz bewerten die Unternehmen im Durchschnitt mit 5,2 von 10 Punkten. Die eigene unternehmerische Resilienz liegt mit 3,6 von 10 Punkten noch deutlich darunter. Atradius spricht hier von einer strukturellen Diskrepanz zwischen Risikobewusstsein und tatsächlicher Absicherung.

Fokus auf kurzfristige Stabilität

Um mit der Unsicherheit umzugehen, setzen viele Unternehmen vor allem auf operative Maßnahmen. Am häufigsten genannt werden:

  • Anpassungen der Preisstrategie (48 Prozent),
  • ein stärkeres Risikomanagement (39 Prozent),
  • sowie der Aufbau von Liquiditätspuffern (38 Prozent).

Langfristige strukturelle Schritte – etwa die Regionalisierung von Lieferketten oder Investitionszurückhaltung – spielen bislang eine geringere Rolle. Viele Betriebe konzentrieren sich darauf, kurzfristig Stabilität zu sichern und Risiken im Tagesgeschäft zu kontrollieren.



Konzentration auf beeinflussbare Faktoren

Angesichts der Mehrfachbelastungen richten sich Unternehmen stärker auf Bereiche aus, die sie unmittelbar steuern können. Mehr als drei Viertel der Befragten fokussieren sich bewusst auf interne Stellhebel. Dazu zählen die stärkere Konzentration auf das Kerngeschäft, der Ausbau operativer Flexibilität, Digitalisierung und Automatisierung, die laufende Überprüfung des Produktportfolios sowie eine intensivere Mitarbeiterkommunikation.

Breite Branchenbasis der Umfrage

An der im März durchgeführten Umfrage nahmen rund 200 Unternehmen aus zahlreichen Branchen teil – darunter Automotive, Bauwirtschaft, Chemie, Dienstleistungen, Elektronik, IT, Maschinenbau, Metall, Logistik und Transport. Die Bandbreite reicht von kleinen Unternehmen mit weniger als hundert Beschäftigten bis hin zu Konzernen mit über 1.500 Mitarbeitenden und Umsätzen von unter fünf Millionen bis über einer Milliarde Euro.

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