Logistik pur – der Rosenmontagsumzug in Köln

06.02.2026 09:00 Uhr | Lesezeit: 3 min
Chrisbo
Start zum Rosenmontagsumzug in Köln, der größten Eintages-Freiluft-Veranstaltung Deutschlands
© Foto: Festkomitee Kölner Karneval

Der Kölner Rosenmontagszug ist Jahr für Jahr ein logistisches Meisterstück zwischen Tradition, Präzision und politischer Spitze. Im aktuellen Podcast VR-Funk beleuchten Tabea Schulz und Christian Bonk, welcher riesige Aufwand nötig ist, damit hunderttausende friedlich feiern und schunkeln können.

Wenn beim Rosenmontagsumzug – dem legendären „Zoch“ – Hunderttausende „Jecke“ durch die Kölner Straßen ziehen, läuft im Hintergrund ein logistisches Uhrwerk, das in seiner Komplexität eher an eine Großbaustelle erinnert als an den Höhepunkt des Kölner Karnevals. Der Rosenmontagszug 2026 ist nicht nur Brauchtum, sondern ein hochprofessionelles Großprojekt, das über viele Monate geplant, abgestimmt und kontrolliert wird. Was für die Zuschauer aussieht wie ein bunter, fröhlicher Lindwurm, ist in Wahrheit das Ergebnis eines minutiösen Prozesses, der bereits im Frühjahr 2025 begann – mit Anträgen, Genehmigungen, Sicherheitskonzepten und einer gewaltigen Koordinationsleistung.

Der Zug entsteht lange vor dem ersten Tusch

Schon im Mai und Juni 2025 stellte die Zugleitung die zentralen Anträge bei der Stadt Köln:

- Ordnungsbehördliche Erlaubnis
- Sondernutzungs- und Vermarktungserlaubnisse
- Genehmigungen für Rosenmontagszug 
- Straßenkarneval und Schull- un Veedelszöch

Parallel wurden alle ordentlichen Karnevalgesellschaften angeschrieben und mussten sich bis Ende August/Anfang September offiziell anmelden. Erst danach beginnt die eigentliche Feinarbeit: Wagenarten, Teilnehmerzahlen, Bagagewagen, Großfiguren, Reitergruppen – alles wird abgestimmt, verteilt und vertraglich fixiert. Im November 2025 standen die Verträge, im Januar 2026 folgten die Schlussrichtlinien – das verbindliche Drehbuch für alle Beteiligten.

Jeck, laut, logistisch: Der Kölner Kanrnevalsumzug

Chrisbo
Politisch provokante Motive gehören zu den Highlights des legendären Umzugs in Köln
© Foto: Festkomitee Kölner Karneval

Ein Großevent in Zahlen

Der Rosenmontagszug 2026 umfasst:

- 120 Fest-, Prunk- und Persiflagewagen
- 90 Traktoren
- 65 Bagagewagen
- 250 Reit- und Spannpferde
- ca. 11.500 Teilnehmende
- eine Zuglänge von 7,5 Kilometern

Entlang der Strecke entstehen innerhalb von nur anderthalb Wochen:

- 94 Tribünen
- 74 Lkw-Tribünen
- 29 Getränkestände
- 25 Essensstände
- 700 Mobiltoiletten + 24 Container
- 14 Kilometer verbautes Absperrmaterial

Allein diese Zahlen zeigen, wie weit der Karneval über das Bild des „närrischen Treibens“ hinausgeht. Es ist ein logistisches Hochleistungsprojekt – und eines, das jedes Jahr neu funktioniert.

Die Zugleitung: Ein kleines Team mit riesiger Verantwortung

Die Zugleitung besteht aus nur 10 Ehrenamtlern und 6 Hauptamtlichen – und steuert an Rosenmontag ein Team von über 420 Sicherheitskräften, 90 Zugordnern, 200 Helfern, 90 Traktorfahrern, 65 Bagagewagenfahrern, Sanitätsdiensten, Gruppenwarten und Tribünenmoderatoren. Damit das funktioniert, gibt es ein ausgefeiltes Regelwerk: bstehend aus der Basisrichtlinie (seit Sommer 2025), den Schlussrichtlinien (Januar 2026), einer gesonderten Pferderichtlinie und einem Sicherheitskonzept in vier Versionen. Dieses muss von Ordnungsamt, Feuerwehr, Polizei Köln und Bundespolizei schriftlich bestätigt werden. Erst dann gilt: Alaaf – mer künne!

Wagenbau: Von der Reinzeichnung bis zur TÜV-Abnahme

Die Kreativarbeit beginnt im September: Die „Kritzelköpp“, ein zehnköpfiges Team aus Künstlern, Grafikern und Zugleitung, entwickeln die Persiflagen. 2026 sind es 21 politische Wagen, die ohne viel Text auskommen müssen – denn das Publikum hat nur Sekunden, um die Botschaft zu erfassen.

- Die Wagenbauer setzen die Reinzeichnungen ab Oktober/November um.
- Parallel laufen die technischen Prüfungen:
- Zugmaschinen brauchen eine Zulassung
- Anhänger benötigen eine Betriebserlaubnis
- Jährliches Brauchtumsgutachten durch TÜV/Dekra

Damit die Wagen überhaupt durch die engen Straßen passen, gelten strikte Maximalmaße von 18,75 Meter Länge, 3,50 Meter Breite, 4,50 Meter Höhe. Wie schlagkräftig die Wagenbauer rund um die Kiritzelköpp sind, zeigt im vergangenen Jahr, dass sechs Tage vor Rosenmontag noch ein kompletter Wagen neu entworfen und gebaut – die politische Botschaft musste nachgeschärft werden.

Chrisbo
Die Fuß- und Tanzgruppen werden unterwegs von den "Kamellehelferinnen" versorgt
© Foto: Festkomitee Kölner Karneval

Zwischen Satirefreiheit und internationaler Aufmerksamkeit

Der Fall Jacques Tilly in Russland zeigt, wie gefährlich Satire in autoritären Systemen werden kann. Köln hält dagegen – selbstbewusst, aber respektvoll. Alle 21 Persiflagen wurden der Polizei Köln zur Prüfung vorgelegt. Nur ein Wagen bleibt „geheim“ und wird erst an Rosenmontag enthüllt. Auf die Frage, ob Putin in diesem Jahr ein Thema ist, erläutert der stellvertretende Zugleiter Ralf Remmert im Podcast: „Nicht Angst vor Behörden, sondern Respekt vor Tilly bestimmt unsere Entscheidung.“

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Auch in diesem Jahr wird der russische Machthaber Putin garantiert nicht ungeschoren davon kommen
© Foto: Festkomitee Kölner Karneval

"Alaaf – mer dun et för Kölle"

Der Rosenmontagszug 2026 ist mehr als ein Fest – er ist ein logistisches Wunderwerk. Was Köln jedes Jahr auf die Beine stellt, ist eine Mischung aus Tradition, Präzision, Kreativität und einem beeindruckenden Netzwerk aus Ehrenamt und Professionalität. Der Zug ist ein Symbol dafür, wie eine Stadt funktionieren kann, wenn Verwaltung, Vereine, Kreative und Sicherheitskräfte gemeinsam an einem Strang ziehen. Ganz nach dem diesjähringen Zugmotto:  „Alaaf – mer dun et för Kölle.“


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