Am Rande: Marode Brücken durch Liebesschlösser

06.02.2015 14:20 Uhr
Liebesschlösser sind eine romantische Geste, aber sie bringen manche Brücke in Gefahr

Früher haben Pärchen ihre Initialen in einen Baum oder eine Parkbank geritzt. Heute hängen sie ein Liebesschloss an eine Brücke und werfen den Schlüssel in den Fluss. Doch diese Liebe kann zur Last werden.

Nürnberg/Heidelberg. Alte Liebe rostet doch: Hunderte bis Tausende kleine Liebesschlösser beschädigen in einigen deutschen Städten inzwischen Brücken. Rost, Abrieb und eine ungleichmäßige Gewichtsverteilung schädigen das Material oder bringen gar die Statik der Bauwerke in Gefahr.

20 Tonnen Schlösser zieren inzwischen die Hohenzollernbrücke in Köln. Der Domstadt kann das egal sein, denn die Brücke gehört der Bahn. Das Ganze sei aber doch eine „grundpositive und nette Geste“, sagt eine Sprecherin. „Das hat Charme.“ Sie könne sich kaum vorstellen, dass es in Köln jemand wagt, die Schlösser zu entfernen. Das will die Bahn auch gar nicht. Eine Gefahr für die Stabilität der 100 Jahre alten Eisenbahnbrücke stelle das nicht dar, sagt ein Bahnsprecher. Schließlich sei das Bauwerk selbst 24.000 Tonnen schwer, jeder Regionalexpress, der drüberrollt, fast 350 Tonnen.

Schlösser machen mancherorts Probleme

In Paris hingegen sind die Schlösser schon länger ein Problem. An einer Fußgängerbrücke in der Stadt der Liebe waren im vergangenen Jahr Geländerteile unter der Last der Schlösser zusammengebrochen. Auch in einigen deutschen Kommunen sind die Tage der metallenen Zuneigungsbekundungen gezählt. An einer denkmalgeschützten Brücke in Hannover etwa wurden vor kurzem rund 1000 Liebesschlösser entfernt. Sie setzten dem mit Blatt- und Blütenelementen verzierten Metallgeländer schwer zu. „Die Brücke ist denkmalgeschützt, wir müssen handeln“, betonte Stadtsprecher Dennis Dix.

Auch in Nürnberg machten zuletzt städtische Mitarbeiter einigen Schlössern mit Bolzenschneidern den Garaus. Mitte Januar wurden nach Bürgerbeschwerden voluminöse Liebesschlösser an einem Steg im Osten der Stadt weggeflext. Manche Liebesbeweise hätten so weit in den Weg geragt, dass sich Fußgänger, Jogger und Radfahrer davon behindert gefühlt hätten oder sich sogar leicht verletzten. Demnächst könnten auch Schlösser an einer Fußgängerbrücke über die Pegnitz in der Innenstadt weggefräst werden. Rund 1000 Liebesschlösser baumeln an den Drahtseilen der Brücke und gefährden die Standfestigkeit. „In der Masse ist das ein Riesengewicht“, sagte die Sprecherin.

Heidelberg rasiert die Liebesschlösser, die noch an Brücken angebracht werden, regelmäßig ab, so ein Sprecher. Die Schlösser werden dann ein Jahr in einem Eimer aufbewahrt, falls die Paare sie zurückhaben wollen. Die Stadt Heilbronn hat dem wilden Anklippen vorgebeugt und früh ein Gitter an der Götzenturmbrücke aufgestellt - dort hängen inzwischen 6000 Schlösser.

Auch in München kennt man sich aus mit dem Thema. Vor allem an einer Isar-Brücke beim Zoo hängen die bunten Zuneigungsbeweise. Wenn sich Rost bildet oder es statische Probleme gibt, kommen auch hier die Schlösser ab. „Sicherheit geht vor“, sagt Friedrich Spieß von der Abteilung Bauwerksunterhalt.

Paris versucht, den verliebten Paaren eine Alternative schmackhaft zu machen. Selbstporträts im Internet sollen die Liebesschlösser ersetzen. Auf Zugängen zu Brücken appellieren große Herzaufkleber an Verliebte: „Unsere Brücken können euren Liebesgesten nicht länger standhalten.“ Als Alternative gibt es „love without locks“ (Liebe ohne Schlösser). Auf der Internetseite sollen Selbstporträts das Glück der Paare bezeugen. Bislang wurden jedoch nur rund 600 Fotos hochgeladen. In der Zeit wurden vermutlich Tausende neue Schlösser aufgehängt. (dpa)

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