Weltschifffahrt: Experten schlagen Abbestellung von Neubauten vor

12.03.2009 17:55 Uhr
Werft Rostock
© Foto: Arndt

Entspannung auf dem Tankermarkt durch verstärkte Zwangsabwrackungen ab 2010 erwartet

Hamburg. Eine Balance zwischen Angebot und Nachfrage in der globalen Schifffahrtsindustrie kommt kurz – und mittelfristig nur dann zustande, wenn Reeder ihre Schiffsbestellungen bei den Werften im großen Stil vollständig streichen, und zwar „in nennenswertem Umfang“. Darüber hinaus sollte die Ablieferung von Neubauten zeitlich verschoben werden. Für dieses Vorgehen sprechen sich die beiden international anerkannten Schifffahrtsexperten Burkhard Lemper vom Bremer ISL und Berthold Volk von der Fachhochschule Oldenburg, Fachbereich Seefahrt aus . Sie bekennen sich zu diesem ungewöhnlichen Schritt in der jüngsten Ausgabe des Informationsbriefes „Schiffsinvest“ des Emissionshauses Gebab in Meerbusch bei Düsseldorf. So weist Lemper darauf hin, dass in den kommenden drei bis vier Jahren – ohne Anpassung – bis zu 80 Prozent des heute bereits in Fahrt befindlichen Schiffstransportraums ausgeliefert würde. Neben den Containerschiffen sind es vor allem Tanker und Bulker, auf die die Masse der Neubaubestellungen entfällt. Schifffahrtsfachmann Berthold Volk vergleicht die gegenwärtige Situation in Teilen der Weltschifffahrt mit jener vom Herbst 1973, als die erste große Ölkrise nach dem Yom-Kippur-Krieg ausbrach. So litt der bis dahin erfolgsververwöhnte Tankermarkt zwischen 1973 und 1979 unter einer tiefen Depression. Gewaltige Neubaubestellungen aus der Zeit vor dem Nahost-Konflikt drängten damals in den Markt. Volk: „Es dauerte fünf Jahre, bis das hohe Auftragsbuch der Werften abgearbeitet war.“ Habe damals „das Öl das Weltwirtschaftswachstum „befeuert“, so war es in den zurückliegenden Jahren für die Bulkschifffahrt der „China-Boom“. Volk geht davon aus, dass sich aus der gegenwärtigen Krise die weltweite Containerschifffahrt am schnellsten wieder erholen wird. Für die Tankersparte ergibt sich eine Marktbereinigung nach Volks´ Einschätzung durch den „Sondereffekt“, dass ab 2010 für Einhüllentanker in vielen Staaten „Zwangsabwrackungen“ greifen werden. Auch das könnte eine natürliche Entlastung bewirken: Die zunehmende Zurückhaltung – ja, Weigerung – von Banken, weiterhin Kredite für neue Schiffe zu gewähren, meint Volk. (eha)

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