Hamburg. Immer mehr Verkehrsprojekte in Deutschland bekommen Ärger mit Kleinlebewesen und Pflanzen. Nachdem sich Ende der 1990er Jahre die „Löffelente“ (Anas clypeata) dem Airbus-Ausbau in Hamburg-Finkenwerder in den Weg stellte, der Schierlings-Wasserfenckel zu einer Belastung für die Elbvertiefung wurde, sorgt jetzt die knapp fünf Millimeter große „zierliche Tellerschnecke“ (Anisus vorticulus) dafür, dass Hamburgs erster „grüner“ Logistikpark bis auf weiteres blockiert wird.
Das Vorhaben war noch unter dem schwarz-grünen Senat auf den Weg gebracht und erstmals im Februar 2010 vorgestellt worden. Realisiert werden sollte der Park, in dem hochwertige Logistik in besonders anspruchsvollen, nach ökologischen Gesichtspunkten errichteten Bauten untergebracht werden sollte, im Stadtteil Bergedorf, am Ostrand der Hansestadt. Die Verkehrsanbindung ist optimal: Die wichtige Autobahn A 25 verläuft in Rufweite zum Park, mit dessen Grundstücksbeschaffung die Stadt Hamburg bereits vollauf befasst ist. Es geht um rund 26 Hektar. Wäre es nach der Logistik Initiative Hamburg (LIHH) gegangen, dann hätten es sogar 40 Hektar sein sollen, um wirklich genügend Grundstücke anbieten zu können. Doch dieses Ansinnen ließ sich nicht verwirklichen.
Ursprünglich sollte der grüne Vorzeigepark 2013 eröffnet werden, doch davon ist seit Wochenbeginn keine Rede mehr. Der Zufall will es, dass die „zierliche Tellerschnecke“ auf der Logistikpark-Fläche entdeckt wurde. Das Tierchen, das 2011 zum „Weichtier des Jahres“ in Deutschland erklärt wurde, gilt als stark gefährdet.
Erfahrungen mit Schnecken hatten auch die Hansestädter aus Lübeck sammeln müssen. Hier war es die „Bauchige Windelschnecke“ (Vertigo moulinsiana), die den Ausbau des Skandinavien-Kais in Lübeck-Travemünde behinderte und die die LHG zu aufwändigen ökologischen Begleitmaßnahmen zwang. Kosten: rund 2,2 Millionen Euro. Der Terminal ist inzwischen ausgebaut und arbeitet erfolgreich.
Die „zierliche Tellerschnecke“ könnte ein Investitionsvorhaben von rund 100 Millionen Euro im schlimmsten Fall verhindern, im günstigeren Fall zeitlich blockieren. Von 2016 ist jetzt die Rede. Das Bezirksamt Bergedorf wird jetzt zunächst versuchen, die Tellerschnecken-Population umzusiedeln. Das allein könnte sich über zwei Jahre erstrecken. Erfolg: offen. Zudem sollen verschiedene Gutachten in Auftrag gegeben werden. Immerhin: Der Bezirk Bergedorf will an dem Logistikpark weiter festhalten. Die „zierliche Tellerschnecke“ hat es auf jeden Fall geschafft, dass sich ihr Bekanntheitsgrad nachhaltig vergrößert. (eha)