VW blockiert weiter Scania-Übernahme

26.09.2006 08:29 Uhr
pischetsrieder
VW-Chef Bernd Pischetsrieder (ddp)
© Foto: Verkehrsrundschau online

MAN stößt bei Volkswagen auf Widerstand: VW-Chef Pischetsrieder will eigenes LKW-Geschäft einbringen

London/Großbritannien. VW will die Übernahme des schwedischen Lastwagenbauers Scania durch MAN weiter blockieren. „Ich habe das Angebot zurückgewiesen und keinerlei Absicht, meine Meinung zu ändern“, sagte Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder der britischen Wirtschaftszeitung „Financial Times“. Selbst ein nachgebessertes Angebot von MAN wäre inakzeptabel, stellte er klar. Volkswagen hält als größter Scania- Aktionär 18,7 Prozent des Kapitals und 34 Prozent der Stimmrechte. Der Vernehmen nach pocht VW auf mehr Einfluss in einem möglichen gemeinsamen Unternehmen. Der 9,6 Milliarde Euro schwere öffentliche Übernahmeversuch solle zu Gunsten von Gesprächen hinter verschlossenen Türen aufgegeben werden, sagte Pischetsrieder. Prinzipiell sei er dafür, Scania und MAN mit dem brasilianischen Lkw-Geschäft von Volkswagen zusammenzulegen. „Aus meiner Sicht kann das durch eine Übernahme von Scania durch MAN nicht erreicht werden“, betonte der VW-Chef. Er habe MAN-Chef Håkan Samuelsson wiederholt gesagt, dass er eine Offerte nicht gutheiße. Ein feindliches Gegengebot von Scania für MAN schloss Pischetsrieder aus. Offiziell gab sich MAN heute nach den ungewöhnlich schroffen Worten Pischetsrieders zwar gelassen und will sich nicht entmutigen lassen. Hinter verschlossenen Türen aber dürfte die Abfuhr aus Wolfsburg durchaus für Kopfschütteln und Verstimmung gesorgt haben, zumal als sicher gilt, dass sich MAN vor Veröffentlichung des Übernahmeangebotes mit den Großaktionären verständigt hat. „Ich finde das Verhalten von VW höchst merkwürdig, an der Stelle von MAN wäre ich ziemlich wütend“, sagte ein Analyst. Möglicherweise habe sich der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch, dessen Idee der Scania-Einstieg seinerzeit gewesen sei, nicht ausreichend informiert gefühlt und lasse nun seinen Einfluss spielen. Pischetsrieder verwies in der „Financial Times“ darauf, dass ein Geschäft, dass die südamerikanische LKW-Sparte von VW einschließen würde, nicht zulässig sei, solange das Angebot für Scania vorliege. Der Grund sei, dass keine Anteilseigner bevorzugt behandelt werden könnten. „Solange alle Aktionäre gleich behandelt werden müssen, bin ich nicht interessiert.“ Er bemängelte, dass kein Aufschlag für VW und andere Inhaber von Scanias A-Aktien vorgesehen ist, die mit zehn Mal so vielen Stimmrechten ausgestattet sind wie die liquideren B-Aktien. „Niemand kann mir erklären, warum ich 50 Prozent Aufschlag für eine Kontrollbeteiligung an Scania bezahlt habe und wir jetzt für den Preis von B-Aktien verkaufen sollten“, sagte Pischetsrieder. (dpa/sb)

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