Verwirrspiel um Streikfolgen bei Lufthansa Cargo

30.07.2008 16:01 Uhr
Lufthansa Verdi 290
Ein Streik - zwei Meinungen: Gewerkschaft Ver.di und Airline Lufthansa Cargo stellen die Streikfolgen auf das Frachtgeschäft gegensätzlich dar
© Foto: ddp

Gewerkschaft und Lufthansa-Cargo-Führung mit gegenteiligen Darstellungen zu Streikfolgen im Frachtbereich

Frankfurt/Main. Obwohl die aktuellen Streikmaßnahmen bei der Lufthansa mittlerweile spürbare Auswirkungen im Passagierbereich haben und verschiedene Flüge ausfallen mussten, soll bei Lufthansa Cargo vom Arbeitskampf wenig zu spüren sein. „Unsere Abfertigung in Frankfurt läuft überwiegend reibungslos“, gab das Unternehmen heute per Mitteilung bekannt. Laut der Gewerkschaft Ver.di hingegen soll Lufthansa auch durch die Streiks im Frachtbereich finanziell getroffen werden. Der Umschlag bei Lufthansa Cargo am Drehkreuz in Frankfurt sei „völlig zum erliegen gekommen“, sagte Ver.di-Sprecher Harald Reutter. Auch die Werft in Hamburg sei „komplett dicht“. Ein Unternehmenssprecher der Werft räumte zwar Produktionsbehinderungen ein. In den Hallen werde aber weiter gearbeitet. „Wir können von Hamburg aus noch alle Kunden bedienen“, hieß es. Auch Lufthansa Cargo wies die Darstellung zurück: Die Frachtflugzeuge seien planmäßig im Einsatz, auch der Umschlag funktioniere. Man habe auch externe Firmen und Mitarbeiter aus dem Ausland im Einsatz. Auch auf anderen deutschen Stationen gebe es nur geringfügige Beeinträchtigungen durch die Streiks, heißt es Seitens Lufthansa. Die Flüge würden planmäßig starten, große Verzögerungen derzeit nicht erwartet. Allenfalls müssten „geringfügige Verspätungen“ in Kauf genommen werden. Um mögliche Streikfolgen so gering wie möglich zu halten, habe Lufthansa Cargo einen Krisenstab eingerichtet, der mehrmals täglich tagt. Dieser würde bei Bedarf auch „notwendige Maßnahmen“ einleiten, hieß es weiter. „Es wird sich jetzt von Tag zu Tag die Lage verschärfen“, sagte Reutter. Wie an den beiden Vortagen hätten sich erneut rund 5000 Mitarbeiter an dem Streik beteiligt. Bei einer Kundgebung vor der Lufthansa-Zentrale in Frankfurt erklärte Ver.di-Verhandlungsführer Erhard Ott, eine Rückkehr an den Verhandlungstisch könne es nur bei einem verbesserten Angebot geben. Nach Angaben von Ver.di soll der Streik am Donnerstag fortgesetzt werden. Besondere weitere Aktionen seien nicht notwendig, weil die Auswirkungen des Streiks sich automatisch steigerten, hieß es in Frankfurt. Für Berlin kündigte Ver.di dagegen eine Ausweitung des Arbeitskampfes an. Die Gewerkschaft bestreikt unter anderem die Wartung von Flugzeugen, so dass die Lufthansa Maschinen außer Betrieb stellen musste. Die Gewerkschaft verlangt für rund 50.000 Lufthansa-Beschäftigte am Boden und in der Kabine 9,8 Prozent mehr Geld. Lufthansa hatte zuletzt gestaffelt 6,7 Prozent bei 21 Monaten Laufzeit und eine Einmalzahlung angeboten. (dpa/sv/stb)

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