Düsseldorf. Der peinliche Führerscheinentzug für Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) bringt die Landesregierung in Erklärungszwang. Am Freitag musste Innenminister Ingo Wolf (FDP) Stellung zu der aufgedeckten Verkehrssünde seines Kabinettskollegen beziehen. Er sehe die Glaubwürdigkeit der Verkehrssicherheitskampagnen der Regierung durch Wittkes Fehltritt nicht beeinträchtigt, sagte Wolf Journalisten in Düsseldorf. „Er hat seinen Fehler eingestanden und eine Buße bekommen.“ Am Donnerstag war bekanntgeworden, dass der Verkehrsminister als Raser mit 109 Stundenkilometern in einer geschlossenen Ortschaft geblitzt worden war und den Führerschein abgeben musste. Neben dem achtwöchigen Führerscheinentzug musste der 42-jährige CDU-Politiker auch einige Hundert Euro Strafe zahlen. „Die Geschwindigkeitsübertretung ist geahndet worden wie bei jedem Anderen auch“, stellte der Innenminister fest. Dass der Verkehrsminister aber kein Verkehrsteilnehmer wie jeder Andere sei, quittierte Wolf mit der Bemerkung: „Er hat deutlich gemacht, dass es für ihn eine Lehre sein wird.“ Nach eigenen Angaben hat Wolf erst aus der Zeitung von der „Blitz-Tour“ seines Kabinettskollegen erfahren. Er könne nicht sagen, ob die Polizeikräfte, denen Wittke ins Netz ging, dessen Prominenz überhaupt erkannt hätten, antwortete Wolf auf die Frage, ob er nicht direkt von den örtlichen Behörden informiert worden sei. Persönlich habe er mit Wittke nicht über den Vorfall gesprochen. Wittke war im November morgens gegen acht Uhr bei einer privaten Fahrt im sauerländischen Meschede erwischt worden. Am Freitag beherrschte er in Nordrhein-Westfalen die Schlagzeilen der Tageszeitungen. Im Internet äußerten Bürger auf Aufforderung von Fernsehsendern und Zeitungen teils Unverständnis, teils Mitleid für den ertappten Sünder. Sogar die Frage, ob Wittke für die Regierung noch tragbar sei, wurde vereinzelt aufgeworfen. Anders als SPD und Grüne, die mit Kritik und Spott nicht sparten, vermied der Freidemokrat Wolf jedes Anzeichen von Schadenfreude über Wittkes Fehltritt. Schließlich waren auch Landtagsabgeordnete von FDP und SPD im vergangenen Jahr wegen Fehlverhaltens am Steuer erwischt und bestraft worden. Dabei ging es teils um Fahren ohne Führerschein, teils um Alkohol am Steuer. Ein FDP-Abgeordneter war nachts sogar betrunken auf dem Standstreifen einer Autobahn eingeschlafen. Ohne eine Miene zu verziehen beantwortete Wolf in der Staatskanzlei die Fragen der Journalisten, die er eigentlich über seine neue Verkehrssicherheitskampagne „Don‘t drink and drive“ informieren wollte. Einige der anwesenden Polizeibeamten konnten sich ein Grinsen jedoch nicht verkneifen. Dass das dort vorgestellte feuerrote Kampagnen-Armband „Ich bin der Bringer!“ eigens für den rasenden Wittke entworfen worden ist, wollten sie aber nicht bestätigen. (dpa)
Verkehrssünder Wittke bringt Landesregierung in Erklärungszwang
Geschwindigkeitsübertretung von NRW-Verkehrsminister sorgt für Empörung