Rom. Luigi Merlo, Präsident des Branchenverbandes Federlogistica, zeigt sich besorgt: „Die Nachrichten, die über die Datenbank des Tech-Konzerns Zhenhua durchsickern, sind zunehmend beunruhigend.“ Das chinesische IT-Unternehmen soll Daten zu rund 2,4 Millionen Personen aus dem Ausland gesammelt haben. Und nicht nur das: Anhand der geleakten Daten ergibt sich der Eindruck, dass Zhenhua ganz gezielt Daten des italienischen Import- und Exportgeschäftes zusammengetragen hat, um die Marktsituation in Italien und den dortigen Logistiksektor zu analysieren.
Nach Ansicht Merlos zielt die tiefgreifende und detaillierte Überwachung möglicherweise darauf ab, die italienische Logistik „anzugreifen“ und gezielt Häfen zu stärken oder zu schwächen. Gerade in einer Krisensituation wie der jetzigen sei es zudem noch gefährlicher, wenn Unternehmer versuchten, sich italienische Firmen anzueignen. Es stünden die wirtschaftliche Zukunft und die Autonomie des Landes auf dem Spiel.
Sorge über Chinas Infrastrukturoffensive
Vor allem die geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen Chinas, führend in der Unterhaltung von Infrastrukturen sowie in der weltweiten Logistik zu sein, stelle ein Risiko für Italien dar, so Merlo. So sei ein Szenario denkbar, in dem China einen bedeutenden Teil der maritimen Logistik sowie des Güterverkehrs im Landesinneren Italiens übernehme und sich gar auch wichtige Sektoren des Produktionssektors aneignen könne.
Die Forderung von Federlogistica-Conftrasporto ist vor dem Hintergrund der gewaltigen Datenabgreifung und der damit verbundenen Bedrohung für die italienische Wirtschaft ebenfalls klar: Es sind für den Logistiksektor ebenso wie für die Häfen Schutzmaßnahmen erforderlich – und zwar noch bevor es zu spät sei. (nja)