Verbandschef alarmiert: „China spioniert italienischen Logistiksektor aus“

05.10.2020 11:04 Uhr
Ob Palermo, Triest oder - wie hier zu sehen - Genua: China investiert derzeit im großen Stil in italienische Häfen

Mitte September wurde bekannt, dass das chinesische IT-Unternehmen Zhenhua, millionenfach Daten von Personen aus dem Ausland gesammelt hat. Luigi Merlo, Präsident von Federlogistica, besorgt der gezielte Blick auf sein Land und seine Branche.

Rom. Luigi Merlo, Präsident des Branchenverbandes Federlogistica, zeigt sich besorgt: „Die Nachrichten, die über die Datenbank des Tech-Konzerns Zhenhua durchsickern, sind zunehmend beunruhigend.“ Das chinesische IT-Unternehmen soll Daten zu rund 2,4 Millionen Personen aus dem Ausland gesammelt haben. Und nicht nur das: Anhand der geleakten Daten ergibt sich der Eindruck, dass Zhenhua ganz gezielt Daten des italienischen Import- und Exportgeschäftes zusammengetragen hat, um die Marktsituation in Italien und den dortigen Logistiksektor zu analysieren.

Nach Ansicht Merlos zielt die tiefgreifende und detaillierte Überwachung möglicherweise darauf ab, die italienische Logistik „anzugreifen“ und gezielt Häfen zu stärken oder zu schwächen. Gerade in einer Krisensituation wie der jetzigen sei es zudem noch gefährlicher, wenn Unternehmer versuchten, sich italienische Firmen anzueignen. Es stünden die wirtschaftliche Zukunft und die Autonomie des Landes auf dem Spiel.

Sorge über Chinas Infrastrukturoffensive

Vor allem die geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen Chinas, führend in der Unterhaltung von Infrastrukturen sowie in der weltweiten Logistik zu sein, stelle ein Risiko für Italien dar, so Merlo. So sei ein Szenario denkbar, in dem China einen bedeutenden Teil der maritimen Logistik sowie des Güterverkehrs im Landesinneren Italiens übernehme und sich gar auch wichtige Sektoren des Produktionssektors aneignen könne.

Die Forderung von Federlogistica-Conftrasporto ist vor dem Hintergrund der gewaltigen Datenabgreifung und der damit verbundenen Bedrohung für die italienische Wirtschaft ebenfalls klar: Es sind für den Logistiksektor ebenso wie für die Häfen Schutzmaßnahmen erforderlich – und zwar noch bevor es zu spät sei. (nja)

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