Verband: Krise hat die Werften voll erreicht

03.04.2009 17:03 Uhr
Werft Rostock
Der Schiffbau steuert offenbar auf schwere Zeiten zu. Das Bild zeigt die Neptun Werft in Rostock.
© Foto: Arndt

Schwere Zeiten für Schiffbau / Neubau von Containerschiffen besonders betroffen

Bremerhaven. Der Schiffbau steuert offenbar auf schwere Zeiten zu. „Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Werften voll erwischt“, sagte der Präsident des Verbandes Schiffbau und Meerestechnik (VSM) und Chef der Bremerhavener Lloyd Werft, Werner Lüken, am Freitag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Besonders schlimm werde es den Neubau von Containerschiffen treffen, für die es derzeit eine erhebliche Überkapazität gebe. Nach vier Unternehmenspleiten seit Spätsommer 2008 „befürchten wir noch weitere Insolvenzen“, sagte Lüken. Der weltweite Konjunktureinbruch hat die Werftindustrie laut Lüken gleich an zwei entscheidenden Punkten getroffen. Es sei nicht nur der Bedarf an Schiffen als Folge der Weltwirtschaftskrise drastisch zurückgegangen. „Uns trifft zusätzlich die Finanzkrise, die die Finanzierung von Aufträgen noch schwieriger macht, als es in der Vergangenheit ohnehin schon war.“ Anders als bei früheren Schiffbaukrisen haben die „aktuellen Probleme die Werften mit einer besonderen Schnelligkeit und Heftigkeit getroffen“, sagte Lüken. Der extreme Einbruch im Welthandel, der zu 95 Prozent mit Schiffen abgewickelt wird, habe die Werften im vollen Lauf erwischt. Noch vor nicht einmal einem Jahr sei man von einer guten Auslastung über Jahre hinaus ausgegangen. Allerdings hat Lüken die Hoffnung nicht aufgegeben. Der Schiffbau im Nordwesten habe gute Aussichten durch seine Ausrichtung auf hochtechnologisierte Fahrzeuge und Spezialschiffe. Insbesondere die niedersächsischen Werften gelten als führend im Bau von Marineschiffen, Mega-Yachten und Polizei- und Seenotrettungskreuzern. Zugleich lobte er die Bemühungen der Bundesregierung, die Branche beispielsweise durch eine Ausweitung des Hermes-Bürgschaftsprogrammes zu stützen. Positive Signale empfing Lüken auch von den Zulieferern im Binnenland, die etwa zwei Drittel der Wertschöpfung im Schiffbau ausmachen. „Da ist von Kostenreduzierungen um bis zu 30 Prozent die Rede. Das ist doch ein Wort“, sagte Lüken. Vergleichsweise gute Aussichten prognostiziert der VSM-Präsident auch den Reparatur- und Umbauwerften, zu denen auch seine Lloyd Werft zählt. Derzeit werde zwar nur das Notwendigste in Auftrag gegeben. „Aber der Markt wird sich relativ schnell erholen, so dass wir nur eine Delle bekommen.“ Werften mit einem klassischen Neubauprogramm müssten sich jedoch auf eine längere Durststrecke einrichten. „Die Zukunft liegt nicht im Bau von Containerschiffen“, prognostizierte Lüken. Dort werde es wohl noch einige Zeit dauern, bis die Nachfrage nach neuen Kapazitäten wieder wachse. (dpa)

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