Trailerhersteller fordern Änderungen an VECTO

06.07.2026 12:47 Uhr | Lesezeit: 3 min
30 Trailerhersteller gegen VECTO
Die gemeinsame Erklärung und Petition wurde von den CEOs von 30 europäischen Anhängerherstellern unterzeichnet
© Foto: Schmitz Cargobull

30 europäische Trailerhersteller fordern Änderungen an den VECTO-Vorgaben. Sie warnen vor höheren Emissionen und Belastungen für die Branche.

Europas Anhänger- und Aufliegerhersteller erhöhen den Druck auf Brüssel. Vertreter von 30 Unternehmen haben eine gemeinsame Petition unterzeichnet, in der sie Änderungen an der EU-Verordnung 2024/1610 verlangen. Nach Ansicht der Branche gefährden die derzeitigen Vorgaben Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und Investitionen, ohne die angestrebten Klimaziele wirksam zu unterstützen.

Die Unternehmen betonen zugleich, dass sie die Dekarbonisierung des Verkehrs grundsätzlich unterstützen.

Kritik an Berechnungsmethode

Im Zentrum der Kritik steht die Anwendung des Berechnungstools VECTO auf Anhänger und Auflieger. Die Hersteller argumentieren, dass die zugrunde liegenden Modelle nicht ausreichend die tatsächlichen Einsatzbedingungen im europäischen Güterverkehr berücksichtigen.

Bemängelt werden insbesondere:

  • standardisierte Lastannahmen,
  • vereinfachte Fahrprofile,
  • sowie fehlende Berücksichtigung verschiedener Transportanwendungen.

Nach Auffassung der Unternehmen spiegeln die Berechnungen die Praxis vieler Trailer-Einsätze nur unzureichend wider.

Branche warnt vor gegenteiligen Effekten

Die Hersteller sehen die Gefahr, dass die Regulierung unbeabsichtigte Folgen nach sich zieht. Um die vorgegebenen Zielwerte zu erreichen, könnten Konstruktionen erforderlich werden, die Nutzlast oder Transportkapazität einschränken.

Nach Einschätzung der Unterzeichner könnte dies dazu führen, dass:

  • mehr Fahrzeuge benötigt werden,
  • zusätzliche Fahrten entstehen,
  • und die Zahl der Leerfahrten zunimmt.

Damit würde das eigentliche Ziel einer Emissionsreduzierung gefährdet.

Sorge um Arbeitsplätze und Investitionen

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die wirtschaftlichen Auswirkungen der Verordnung. Die Unternehmen warnen vor hohen finanziellen Belastungen durch mögliche Strafzahlungen bei Zielverfehlungen.

Die Branche verweist darauf, dass europaweit zehntausende Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Anhängerbau abhängen. Zusätzliche Kosten könnten Investitionen erschweren und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hersteller schwächen.


Fünf Forderungen an die EU

In ihrer Petition schlagen die Unternehmen mehrere Anpassungen vor. Dazu gehören unter anderem:

  • eine vorgezogene Überprüfung der Regelung,
  • realistischere Zielwerte,
  • eine schrittweise Einführung der Vorgaben,
  • eine Überarbeitung der VECTO-Methodik,
  • sowie Anpassungen bei Strafzahlungen und Marktmechanismen.

Ziel sei es, die Klimaziele mit technisch und wirtschaftlich umsetzbaren Rahmenbedingungen zu verbinden.



Politik signalisiert Gesprächsbereitschaft

Unterstützung erhält die Initiative von mehreren Europaabgeordneten. Sie sprechen sich für eine Überprüfung der aktuellen Methodik aus und betonen, dass Klimaschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit gemeinsam betrachtet werden müssten.

Aus ihrer Sicht sollten Emissionsziele auf realistischen Annahmen basieren und Innovationen fördern, ohne Produktionsstandorte zu gefährden.


Kennen Sie schon unseren VR-Rechtsblog?

In unserem VR-Rechtsblog klärt Logistikrechts-Experte und Rechtsanwalt Prof. Axel Salzmann über Vertragsangelegenheiten, Urteile, Versicherungen und vieles mehr rund um Unternehmungsführung und Speditionsalltag auf. Der Zugang zu unseren Blogs ist für Abonnenten kostenfrei. Ein unverbindliches, zwei-monatiges Kennlern-Abo können Sie gerne hier abschließen. 

Sie haben Fragen oder Themen für einen Rechtsblog, die sich unser Expertenteam genauer ansehen soll? Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an verkehrsrundschau@tecvia.com oder wenden Sie sich direkt an unsere Rechtsredakteurin Marie Christin Wiens.


HASHTAG


#VECTO

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.